Mein bisheriges Leben (2013)

Den nachfolgenden längeren Text habe ich bei der Inspektion der Festplatte eines lange nicht mehr genutzten Computers gefunden.

Die Umgebung, in der ich aufwuchs

Ich wurde am 8. Oktober 1983 kurz nach 19 Uhr im Wiener Wilhelminenspital geboren. Meine Eltern wohnten damals im 14. Bezirk, meine Mutter arbeitete als Lehrerin in der Volksschule und mein Vater als Ingenieur. Wir hatten eine Genossenschaftswohnung in der Hütteldorfer Straße 311. Das war ein großes Gebäude, gelb-schwarz gestrichen. Unsere Wohnung befand sich im dritten Stock. Wenn man das Gebäude betrat, kam man zuerst in einen Vorraum mit Fahrradständern. Geradeaus ging es zu einem orange gestrichenen Aufzug. Rechts daneben befand sich die Treppe zum Keller, in dem es eine Sauna gab - aber aufgrund meines jungen Alters kam ich nie überhaupt nur in die Nähe dieser Sauna. Links und rechts gab es einen Gang, wobei man ganz links in den Müllraum kam, mit einer Mülltonne, die mir damals riesig erschien. Schräg gegenüber dem Müllraum befand sich der Ausgang zum Innenhof. Innenhof deshalb, weil unser Haus zu einer Wohnhausanlage gehörte. Der 14. Bezirk wies ein starkes Nord-Süd-Gefälle auf. Richtung Norden ging es bergauf. So ging es im Innenhof, da südlich gelegen, von unserem Haus aus gesehen bergab. Der Hof war in mehrere Ebenen unterteilt, die durch Treppen verbunden waren. Relativ weit oben befand sich eine große Spielebene mit Rutsche, Schaukel und Sandkasten, weiter unten eine runde Fahrbahn für die Radfahrer. Ich fuhr dort gerne mit meinem Dreirad und später mit dem Fahrrad mit Stützen. Richtiges Radfahren ohne Stützen habe ich nie erlernt. Ganz unten war der Eingang zu einem anderen Wohnhaus unserer Anlage. Wenn man durch dieses Haus ging, kam man in eine schmale Gasse, die rechts als Sackgasse endete. Gegenüber war ein weiteres Haus, das zu unserer Anlage gehörte. Dieses Haus konnte man auch von der Linzer Straße aus betreten. 

Unsere Wohnung selbst war rund 80 Quadratmeter groß. Wenn man durch die Sicherheitstür eintrat, gelangte man ins Vorzimmer. Direkt gegenüber der Wohnungstür befand sich das WC, rechts daneben das Badezimmer. Nach links und nach rechts führte ein kurzer Gang. Links war das große Wohnzimmer, welches wir durch Regale in Wohn- und Esszimmer unterteilt hatten. Um ins Esszimmer zu gelangen, musste man um die Ecke gehen. Hinter dem Esszimmer befand sich die Küche. Die andere Seite des Vorzimmers führte zu zwei Zimmern, auf der einen Seite das Schlafzimmer meiner Eltern und auf der anderen mein eigenes Kinderzimmer. Im Kinderzimmer pflegte ich im Vorschulalter besonders gerne, mit Playmobil zu spielen. Ich hatte zwei recht große grüne Platten, die ich auf den Boden legte und auf denen ich meine Playmobilfiguren aufstellte. Die Figuren stellten verschiedene Berufe dar, und man konnte durch geschicktes Platzieren der Figuren Geschichten erzählen oder soziale Zusammenhänge darstellen. Ich nannte das "Welten bauen". Auch mit Schlümpfen spielte ich gerne. Später kamen dann die Figuren aus der Fernsehserie "Masters of the Universe" und schließlich die Transformers hinzu. 

Als Kind sah ich auch recht viel fern, wobei sich meine Programmauswahl auf Zeichentrickfilme beschränkte. Ich sah immer mit großen Kopfhörern fern, und das war auch gut so, denn wie erst meine Volksschullehrerin feststellte, war ich als Kind ein wenig schwerhörig - das kam möglicherweise davon, dass ich mich beharrlich weigerte, mir die Nase zu putzen. Nach einer Operation blieb mein Gehör aber bis heute einwandfrei. 

Wenn man das Wohnhaus verließ und auf die Hütteldorfer Straße hinaustrat, konnte man schräg gegenüber ein Café und einen Frisiersalon erblicken. Dort war ich aber nie. Wenige Schritte nach links befand sich die Hochsatzengasse, die ein sehr starkes Gefälle aufwies. Nach Norden ging ich hier nur selten, aber häufig nach Süden. An der Kreuzung mit der Linzer Straße befanden sich nämlich das Baumgartner Casino, die Parteizentrale der SPÖ im 14. Bezirk und eine Filiale des Konsum-Supermarktes. Gegenüber dem Casino war die Ordination meiner Zahnärztin, bei der ich viele Jahre in Behandlung war, und in der südöstlichen Ecke lag ein Gebäude, das zunächst eine Hauptschule beherbergte. Später zog dort die Volksschule ein, in der damals (als ich selbst ebenfalls zur Volksschule ging) meine Mutter arbeitete. Wenn man die Hochsatzengasse weiter in Richtung Süden hinabging, kam man nach einem Tunnel zum Wienfluss, und von dort war es nicht mehr weit zur U-Bahn-Station Ober-St.-Veit. Ging man die Hütteldorfer Straße über die Hochsatzengasse hinaus weiter nach Westen, was ich manchmal, aber nicht so oft tat, so kam man nach einiger Zeit zum Baumgartner Spitz, der Grenze zwischen den Stadtteilen Baumgarten und Hütteldorf. Weiter westlich befand sich das Gerhard-Hanappi-Stadion, das Heimstadion des bekannten Fußballvereins Rapid. Nach dem Stadion kam man dann zu der Volksschule, in der meine Mutter in den ersten Jahren meines Lebens arbeitete. 

Häufiger ging ich aber die Hütteldorfer Straße nach Osten. Die nächste Kreuzung war die mit der Waidhausenstraße. An der Ecke befand sich eine Filiale der Bank Austria. Bog man die Waidhausenstraße nach rechts ein, kam man bald zur Felbigergasse, wo sich meine Volksschule befand. Ging man noch etwas weiter, erreichte man die Linzer Straße, in ebenfalls eine Volksschule beheimatet war. In dieser Schule arbeitete meine Mutter in den ersten Jahren nach meiner Einschulung. Wenn man die Waidhausenstraße nach Norden ging, kam man zunächst an einem Gasthaus vorbei, in dem ich sehr gerne zu speisen pflegte. Meine Lieblingsspeise dort war "Bauernschmaus", mit kunstvoll geformten Würsteln, Knödeln und Kraut. Noch lieber ging ich in meinen frühen Jahren aber chinesisch essen. Wir fuhren dazu extra nach Hadersdorf. In der Waidhausenstraße befand sich jedenfalls auch der Baumgartner Friedhof, in dem meine Großeltern begraben waren. Ging man die Waidhausenstraße weiter hinauf, gelangte man dann zum Krankenhaus auf der Baumgartner Höhe. Dort in der Nähe hatten meine Großeltern gewohnt, als sie noch am Leben waren - beide starben noch, als ich Kind war. 

Manchmal ging ich die Hütteldorfer Straße noch weiter nach Osten. Da gab es ein Chinarestaurant, das zwar nicht mein Lieblingsrestaurant war, aber eine besonders scharfe und daher leckere Suppe im Angebot hatte. Auf der anderen Straßenseite befand sich das Spielzeuggeschäft "Spieldose", in dem ich einige meiner ersten Videospiele kaufte. Bei der nächsten Kreuzung lag das Schreibwarengeschäft Grabner. Gegenüber war ein Pensionistenheim. Ging man dann noch weiter, kam man zum Kleidergeschäft Egger, und wenn man dann rechts in die Ameisgasse einbog, kam man bald zur Zeitschriftenhandlung Pollischansky, die für meine Entwicklung als Jugendlicher von Bedeutung war. Weiter südlich lag die Märzstraße mit der Volksschule, in der meine Mutter ab meiner Gymnasialzeit arbeitete. Ging man noch weiter nach Süden und bog man dann nach Westen in die Cumberlandstraße ein, kam man nach einiger Zeit in die Astgasse, wo sich mein Gymnasium befand. 

Damit wäre der Radius abgesteckt, in dem ich mich in meinen ersten elf Lebensjahren vorwiegend bewegte. 

Meine Kindheit

Meinen Eltern war es wichtig, dass ich früh das Lesen erlernte. Ich erinnere mich noch daran, wie mein Vater Zetteln mit Silben wie "ba, be, bu" an die Spiegelkästen im Schlafzimmer heftete und sie mich vorlesen ließ. Da musste ich ungefähr vier Jahre alt gewesen sein. Ich kann mich auch noch gut an eine Episode erinnern, in der mich mein Vater bat, ihm aus meinem Kinderbuch vorzulesen, und ich meinte: "Aber nur eine Minute!" Ich kannte also vor der Schule bereits auch einige Zeitbegriffe. Noch bevor ich eingeschult wurde, pflegte meine Mutter mir immer wieder zu sagen, wie gescheit ich doch sei. Als sie mir einmal von Einstein erzählte, der so gescheit gewesen sei, dass man ihm den Nobelpreis verliehen habe, war ich der Überzeugung, dass ich selbst eines Tages ebenfalls den Nobelpreis bekommen würde. Man könnte meinen, mir hätte es nicht an Selbstbewusstsein gemangelt. Tatsächlich war ich jedoch sehr schüchtern, wenn es darum ging, jemanden um einen Gefallen zu bitten, denn ich fand so etwas meistens nicht verdient. 

Soziale Kontakte zu Gleichaltrigen hatte ich vor der Einschulung fast nur im Kindergarten, den ich aber nur eine kurze Zeit lang besuchte. Als eine Kindergartentante mich zwang, etwas zu essen, was mir nicht schmeckte, nahm mich meine Mutter aus dem Kindergarten heraus. Etwa ein halbes Jahr danach ging ich noch einmal eine Weile in den Kindergarten. Ich habe an diese Zeit aber kaum Erinnerungen. Ich weiß nur, dass mein damaliger bester Freund Erik hieß. 

Als Oktoberkind wäre ich normalerweise kurz vor meinem siebten Geburtstag eingeschult worden. Nun hatte meine Mutter aber einen Cousin, und dessen Frau machte sich dafür stark, dass ich ein Jahr früher eingeschult werden sollte. Da auch mein Vater dafür war, gab meine Mutter schließlich nach und meldete mich für die Schule an. Unsere Lehrerin, Frau Wimmer, verwirrte mich aber in der ersten Zeit, indem sie immer sagte, "ihr dürft das und das machen" und nicht, dass wir es machen müssen. Deswegen erledigte ich anfangs keine Hausaufgaben. Die Lehrerin sprach daraufhin mit meiner Mutter und meinte, ich sei noch sehr jung, ob man mich nicht ein Jahr zurückstellen sollte. Als sich das Missverständnis aufklärte, machte ich meine Hausübungen von da an immer sehr sorgfältig und war bis zu meiner Matura immer einer der besten Schüler meiner Klasse. So kam es, dass die Lehrerin bald sogar vorschlug, mich eine Klasse überspringen zu lassen, was meine Mutter jedoch ablehnte. Auch bot sie an, dass ich mich still beschäftigen könne, während die anderen Kinder herumstotterten. Das wollte ich aber nicht, denn ich war gerne Teil der Klassengemeinschaft und auch am Lernfortschritt der anderen Kinder interessiert. 

In der Volksschule hatte ich viele Freunde. Die Buben interessierten sich hauptsächlich für Videospiele, und da ich regelmäßig mit meinen Eltern neue Spiele kaufen ging, war mein Kinderzimmer der Ort, wo wir einander jeden Freitag trafen, um gemeinsam die neuesten Spiele auszuprobieren. Ab und zu gingen wir auch in den Hof. Eine Zeit lang kamen sogar zweimal wöchentlich Freunde zu mir nach Hause, freitags und mittwochs. Zu unserer Clique zählte auch ein Mädchen, das ich für sehr intelligent hielt. Es war das einzige Mädchen, das sich für Videospiele interessierte, und ging überhaupt lieber mit Buben um als mit anderen Mädchen. Später, im Teenageralter, zog es sogar ernsthaft eine Geschlechtsumwandlung in Erwägung, weil es sich in seinem Körper nicht mehr wohlfühlte. Das muss ein sehr unangenehmes Erlebnis gewesen sein. 

Hatten wir vor meiner Einschulung öfters Urlaub in den Bergen, am Bauernhof oder im Ausland am Strand gemacht, verbrachten wir seit der Öffnung des Ostblocks die Ferien hauptsächlich in der Slowakei, wo Verwandte meines Vaters lebten. Im Dorf Kovacova wohnten wir bei der Familie seiner Cousine, in einem recht großen Haus mit noch größerem Garten. Die Familie hatte zwei Kinder, Mirko und Lucka, Mirko zwei Jahre älter als ich, Lucka einige Jahre jünger. Wir spielten gemeinsam Verstecken, Fangen, Räuber und Gendarm und andere Spiele. Zum Grundstück zählte auch ein Hühnerstall, und wenn man diesen durchquerte, gelangte man in einen großen Gemüsegarten, welcher der Familie nur zum Teil gehörte. Der Gemüsegarten wies ein leichtes Gefälle auf. Am anderen Ende war der Innenhof eines Anwesens, der wiederum zur Straße führte. Freilich war es uns Kindern aber verboten, uns dort aufzuhalten. Kovacova war ein relativ verschlafenes Nest; als einzige Attraktion hatte das Dorf ein Schwimmbad zu bieten, in dem ich meine ersten Schwimmversuche machte. Die nächste größere Stadt war Zvolen (Altsohl), wo wir öfters spazieren und einkaufen gingen. Die meiste Zeit verbrachte ich aber wie zu Hause: nämlich indem ich Videospiele spielte und eigene Spiele entwarf. Mein Vater hatte eigens Hefte angefertigt, die ich für meine Skizzen verwenden konnte. Außer Videospielen zeichnete ich auch, vor allem in früheren Jahren, Comics, freilich ohne allzu großes künstlerisches Talent an den Tag zu legen. 

Als ich acht Jahre alt war, regte sich bei mir der Wunsch, meine Spielideen umzusetzen. Das führte dazu, dass ich mir mit Hilfe von Computerzeitschriften ganz alleine das Programmieren in Basic beibrachte. Damit war der Grundstein für meine Laufbahn als Informatiker gelegt. 

Mein Vater hatte bei meiner Erziehung großen Wert auf eine gute Rechtschreibung gelegt. Indem er meine Fehler konsequent ausbesserte, lernte ich rasch, wie man richtig schrieb. Er förderte mich auch auf dem Gebiet der Mathematik. Ich erinnere mich noch, dass ich bereits als Achtjähriger Aufgaben aus der Differentialrechnung löste. Bis auf die Geometrie beherrschte ich tatsächlich schon vor dem Ende meiner Volksschulzeit den Großteil des Mathematikstoffs, den man am Gymnasium bis zur Matura vermittelt bekommt. 

Ich las auch sehr viele Computerzeitschriften, insbesondere Spielemagazine. Noch gut kann ich mich erinnern, wie wir jeden Tag in den Konsum gingen, um dort einzukaufen, und ich sämtliche neu erschienenen Videospielezeitschriften nach Hause mitnahm. Ich las tatsächlich alle diese Zeitschriften, die ich kaufte, wenngleich vielleicht nicht jeden einzelnen Artikel. Sehr gerne schrieb ich jedenfalls für meine damalige Schülerzeitung eigene Beiträge, und als ich zehn Jahre alt war, veröffentlichte eine Videospielezeitschrift, das SEGA Magazin, eine Rezension von mir. 

In der dritten Klasse Volksschule verbrachte unsere Klasse eine Woche in Scheibbs. Das nannte sich offiziell "Projektwoche", aber die alte Bezeichnung "Schullandwoche" wäre wohl passender gewesen. Schon vor dieser Schullandwoche besuchte ich mit meinen Eltern Scheibbs, weil meine Mutter Sorge trug, da sie gehört hatte, dort gäbe es Schlangen - und nichts verabscheute sie mehr als diese Tiere. Doch während der ganzen Zeit begegnete ich keiner einzigen Schlange. Woran ich mich noch erinnern kann: Ich irritierte meine Lehrerin, weil ich nicht bereit war, die Wurstsemmeln zu essen, die uns Kindern als Tagesproviant zugeteilt worden waren, und sogar überlegte, sie an die Enten zu verfüttern. Schlussendlich ließ sich die Lehrerin überzeugen, mir keine Wurstsemmel mitzugeben. Im Hof unserer Unterkunft gab es eine Schaukel, und als ein Mitschüler wollte, dass ich die Schaukel ihm überließe, verwendete er ein Wort, das ich damals nicht verstand - ich glaubte, er spräche vom "Flicken", aber natürlich war etwas ganz anderes gemeint. Dazu passt jedenfalls, dass mich einige Mädchen aufforderten, ich möge mir meine Hose ausziehen, weil sie neugierig waren, was sich darunter verberge. 

Die Zeit am Gymnasium

Als dann die vierte Klasse vorüber war, war es an der Zeit, sich nach einer weiterführenden Schule umzusehen. Da ich gute Noten hatte, war ich natürlich fürs Gymnasium vorgesehen. Mit meinen Eltern besuchte ich den Tag der offenen Tür an zwei Schulen, der Astgasse und der Fichtnergasse. Für mich stand aber schon vorher fest, dass ich die Astgasse besuchen wollte - wahrscheinlich vor allem, weil sie näher war. So wurde ich schließlich Schüler des "Goethe-Gymnasiums". Es war schon eine große Umstellung, dass man nun mehrere Fächer und in jedem Fach einen anderen Lehrer hatte, aber ich gewöhnte mich daran. Unsere Deutschlehrerin war gleichzeitig Klassenvorständin, und sie übernahm von unserer Volksschullehrerin die Rolle der "Ersatzmutter". In den meisten Fächern hatten wir recht nette Lehrer. Besonders streng war nur unsere Englischlehrerin, aber mir machte das nichts aus; im Gegenteil, ich war ihr dankbar, weil sie uns viel beibrachte. Freilich dachte nicht jeder Schüler so, und viele Schüler verließen ihretwegen die Klasse. Den Lehrern fiel jedenfalls auf, dass ich über eine gute Auffassungsgabe verfügte. In den Worten meiner Englischlehrerin: "Er saugt alles auf wie ein Schwamm." Dies führte nicht zu einer Benachteiligung meiner Person, eher im Gegenteil: Ich kam seltener als andere Schüler zu Stundenwiederholungen und unangekündigten Zwischenprüfungen an die Reihe, weil die Lehrer annahmen, dass ich den Stoff ohnehin beherrschte. 

In allen Fächern bis auf Turnen und Werken war ich gut, aber für diese beiden Problemgegenstände ließen sich Lösungen finden. Mit dem Turnlehrer wurde vereinbart, dass kein Schüler im Turnen eine schlechtere Note als einen Zweier bekommen würde. Auch im Werken ließ sich der Lehrer überreden, mir letztendlich doch die bessere von zwei Noten zu geben. So war ich all die Jahre stets Vorzugsschüler. 

Mit meinen Mitschülern am Gymnasium kam ich anfangs weniger gut zurecht als mit denen in der Volksschule. Ich glaube, das lag am unterschiedlichen Milieu. War die Volksschulklasse noch bunt gemischt, so war die Zusammensetzung der Klasse am Gymnasium ziemlich elitär: Die Schüler waren jeweils die besten ihrer Volksschulklassen gewesen, und die meisten Eltern hatten recht prestigeträchtige Berufe, es gab unter ihnen Universitätsprofessoren, Unternehmer, Ärzte, Naturwissenschaftler, Manager,... Wirklich warm wurde ich mit meinen Mitschülern wohl nie, dazu waren auch die Persönlichkeiten zu unterschiedlich. Zwar gab es in der Unterstufe noch einige, die sich, wie ich, für Computerprogrammierung interessierten. Aber zwei davon gingen nach der vierten Klasse von der Schule ab und wechselten in eine HTL, und die übrigen beiden schienen sich in der Oberstufe eher für andere Dinge zu interessieren, wie Fortgehen und soziale Aktivitäten. Dazu kam, dass ich in der zweiten Klasse umzog: Meine Eltern hatten ein Reihenhaus im 23. Bezirk erworben. Nun wohnte ich relativ weit weg von meinen Mitschülern. In Folge dessen kamen immer seltener Besuche und nach einiger Zeit überhaupt keine mehr. 

Anstelle von echten Freunden hatte ich dann fast nur mehr Brieffreunde und später Internet-Kontakte. Die große Wende in meinem Leben fand im August des Jahres 1995 statt, als mein Vater vom Pollischansky eine neue Zeitschrift heimbrachte, den PC-Heimwerker. Diese Zeitschrift wies ein völlig neuartiges Konzept auf, denn alle Beiträge stammten von ihren Lesern, es gab keine fest angestellte Redaktion. Der PC-Heimwerker war somit ein Vorläufer der heutigen Internetforen, wenn auch auf Papier. Da ich ein begeisterter Schreiber war - ich hatte auch in den ersten Jahren am Gymnasium eine Schülerzeitung namens "astrein" herausgegeben -, beteiligte ich mich an dieser Zeitschrift. Bald kam ich mit anderen Schreibern in Kontakt. Wir tauschten per Post Disketten mit selbstgeschriebenen Programmen aus. Dadurch lernte ich dann auch die Computer-"Szene" kennen, mit ihren elektronischen Zeitschriften (Diskmags) und anderen Kunstwerken, wie den Demos und Intros - das waren von Jugendlichen entwickelte Programme, die mit Musik unterlegte Animationen abspielten. Während mich die Demos zwar wegen des großen technischen Verständnisses beeindruckten, das für ihre Entwicklung notwendig ist, übten die Diskmags die eigentliche Faszination auf mich aus. Ich begann, Diskmags zu sammeln, und beschloss, die Szene zu unterstützen, indem ich selbst für Diskmags schrieb. Das erste Diskmag, zu dem ich Beiträge lieferte, war MicroCode, eine deutsche Zeitschrift über Programmierung. Eigentlich hatte ich vor, selbst kein eigenes Diskmag herauszugeben und nur zu anderen Diskmags beizutragen. Doch es kam anders. Ende 1995 erhielt ich Post von einem jungen Deutschen aus Halle an der Saale, der ein eigenes Diskmag machen wollte und auf der Suche nach jemandem war, der für ihn eine grafische Benutzeroberfläche programmieren konnte. Da meine Programmierkenntnisse schon damals dafür ausreichten, erfüllte ich ihm kurzerhand seinen Wunsch und wurde daraufhin zum Mitherausgeber ernannt. Da entschloss ich mich, die Arbeit an dem Diskmag in eigene Hände zu nehmen und die gesamte Redaktion, einschließlich des Layouts und des Lektorats, zu übernehmen. So entstand das Hugi-Diskmag, das ich seit damals bis zu meiner Matura und auch einige Zeit danach regelmäßig herausgab. 

Anfangs erschien alle drei Monate eine neue Ausgabe mit etwa 400 Kilobyte Text, das entspricht ausgedruckt etwas mehr als 130 Seiten im DIN-A4-Format. An der ersten Ausgabe hatten sich sieben Personen mit Artikeln beteiligt, darunter auch ein Mitschüler von mir. Wir verbreiteten das Diskmag vornehmlich über den Postweg, indem wir es an unsere Brieffreunde schickten; diese schickten das Diskmag wiederum an ihre Freunde, und so verbreitete sich die Zeitschrift wie in einem Schneeballsystem. Außerdem luden wir Hugi in mehrere Mailboxen (Vorläufer des Internets) per Modem hoch; auch dadurch gewannen wir einige Leser und Autoren. Jedenfalls wurde das Diskmag gut angenommen, und es mangelte nie an Beiträgen. Nach einem Jahr entwickelte ich mit der Programmiersprache C eine neue grafische Benutzeroberfläche, die einen Super-VGA-Modus verwendete. Der Umfang der einzelnen Ausgaben wuchs auf mehr als das Doppelte der ersten paar Ausgaben. Die größte Änderung gab es dann aber mit Beginn des dritten Jahres. Vorausschickend möchte ich sagen, dass ich ja auch mit Herausgebern anderer Diskmags in Kontakt war, wie "Coctail", dem Herausgeber des Diskmags Cream. Und Coctail hatte zwar in seinem Magazin meist über Politik geschrieben, aber irgendwann hatte er die Idee, den Schwerpunkt auf die Computerkunst zu legen. Stolz präsentierte er auf einer Demoparty, einem Treffen der Computerkünstler der Demoszene, die vierte Ausgabe seines Diskmags, die ganz im Zeichen der Kunst stand. Umso enttäuschter war er, als sein Magazin nicht auf allzu großes Interesse stieß. Entmutigt gab er auf, Cream #4 blieb die letzte Ausgabe. Ich griff aber seine Idee auf (auch bestärkt von einigen Lesern, darunter einem deutschen Softwareentwickler, der das Pseudonym "Salami" benutzte) und beschloss, es noch radikaler als Coctail zu machen und zur englischen Sprache zu wechseln, um die internationale Demoszene anzusprechen. Mit Hugi #11 und den nachfolgenden Aufgaben hatte ich viel Erfolg. Hugi wurde auf der ganzen Welt gerne gelesen. Wir erhielten viele Beiträge von Lesern, und in den Jahren 1998 bis 1999 hatten die meisten der Ausgaben, die alle drei Monate neu erschienen, mehr als 1,4 MByte Text - das entspricht ausgedruckt fast 500 Seiten im DIN-A4-Format. Die Popularität meiner Zeitschrift schlug sich auch in den Charts nieder. So wurde Hugi etwa zum besten Diskmag des Jahres 1999 gewählt (siehe Sunray, das Jahrbuch der Demoszene). 

Die starke Fokussierung auf die redaktionelle Arbeit hat sich sicher stark auf meine persönliche Entwicklung ausgewirkt. Es stellt sich die Frage, inwiefern sie mir genützt und inwieweit sie mir geschadet hat. Tatsache ist, dass ich in all diesen Jahren außerhalb der Schule wenig soziale Kontakte von Angesicht zu Angesicht hatte. Wir fuhren auch nicht mehr auf Urlaub, ich erlebte also insgesamt recht wenig. Nur mit meiner Schulklasse verbrachte ich eine Sommersportwoche in der Tschechischen Republik, eine Woche in Rom und zwei Wochen in Frankreich. Jedesmal, wenn ich von diesen Reisen nach Hause kam, war ich wie ausgewechselt, denn ich hatte eine bis zwei Wochen gänzlich ohne Computer verbracht und so ganz andere Seiten des Lebens kennengelernt. Aber bald stellte sich wieder der Alltagstrott ein. 

Nach der Matura

Erst nach meiner Matura erkannte ich schlagartig, wie verschieden ich von meinen Mitschülern war. Wie es in Österreich üblich ist, machten wir eine Maturareise ins sonnige Griechenland, und während ich zwei Bücher (Hofstadters "Gödel, Escher, Bach" sowie "Per Anhalter durch die Galaxis") mitgenommen hatte und eifrig las, ließen sich meine Mitschüler gehen, genossen das Wetter, lebten in den Tag hinein. Schließlich tat ich es ihnen gleich. Nach der Rückkehr war ich in der Krise: Warum habe ich nicht auch das Leben so genossen wie meine Klassenkameraden? Nun war es zu spät, bald würden Studium und Berufsleben anstehen. Da würde ich keine Zeit mehr haben, mich gehen zu lassen. Traurig darüber, aufgrund meines stark ausgeprägten Ehrgeizes so viel Zeit verschwendet zu haben, schlief ich in diesen Monaten zwölf Stunden pro Tag. Da kam dann ein Brief von Verwandten meines Vaters: Die vierzehnjährige Tochter Martina wolle eine Woche bei uns in Österreich verbringen, um Deutsch zu lernen. Wir akzeptierten, und so hatte ich eine Woche lang eine Mitbewohnerin, der ich die Stadt, vor allem die Ringstraße und den ersten Bezirk, zeigte. Ihr berichtete ich auch, dass ich unschlüssig war, was ich studieren sollte. Wegen meines Interesses an Computern hatte ich natürlich an ein Informatikstudium gedacht, doch war ich nicht sicher, ob mich das glücklich machen würde. Das junge Mädchen meinte daraufhin spontan, Computer seien nett, aber schöner wäre es doch, mit Menschen umzugehen, und ich sollte ihrer Meinung nach lieber Medizin studieren. Das entsprach auch den Vorstellungen meiner Eltern; vor allem meine Mutter hatte immer davon geträumt, dass ich Arzt werden würde und alle mich ehrfürchtig mit "Herr Doktor" ansprechen würden. Schließlich gab ich nach. Ich hatte zwar Bedenken über meine Eignung für das Medizinstudium, weil man dort so viel auswendig lernen muss und das reine Auswendiglernen mir eher eine meiner Schwächen zu sein schien, zumindest verglichen mit meinem mathematischen und schriftstellerischen Talent, das ja sehr stark ausgeprägt war. Aber ich wollte meine Mutter nicht enttäuschen; sollte sie doch sehen, ob mich der Berufswunsch, den sie für mich hegte, tatsächlich zufriedenstellen würde. 

So kam es, dass wir einen ehemaligen Schüler meiner Mutter zu uns nach Hause einluden, der gerade im dritten Abschnitt seines Medizinstudiums stand. Er sollte mir Tipps für den Studienanfang geben. Tatsächlich hat er das Treffen eher zur Selbstdarstellung benutzt. Ich war nachher ungefähr so klug wie zuvor, nur wusste ich jetzt, dass im ersten Studienjahr Prüfungen in Chemie, Physik und Biologie anstehen würden. Ich ging daraufhin mit meinem Vater einkaufen und erwarb die dazu gehörigen Lehrbücher. Alsgleich fing ich mit den chemischen Rechenübungen an. Einige Aufgaben konnte ich nicht lösen, da rief ich den ehemaligen Schüler meiner Mutter an und fragte ihn. Doch er meinte nur, er hätte damals exakt die gleichen Aufgaben angestrichen, weil er sie ebenfalls nicht lösen konnte. 

Überblick über meine Studienzeit

Mit gemischten Gefühlen ging ich dann zu Semesterbeginn auf die Uni. Die Vorlesungen des ersten Semesters fanden in den Institutsgebäuden in der Währinger Straße statt. Ich besuchte Chemie bei Prof. Goldenberg, Physik bei Prof. Fercher und Biologie bei Prof. Wündsch. Mir gefiel besonders die Chemie-Vorlesung, weil sie auf sehr hohem Niveau war. Anstatt den Stoff systematisch vorzutragen, nahm Prof. Goldenberg ihn in Form von Fragen durch, die zum Teil recht anspruchsvolle Denksportaufgaben darstellten. Das machte mir große Freude, weil es das Denken anregte. Ich glaubte daher zunächst, dass ich vom Medizinstudium ein falsches Bild gehabt hätte und es doch nicht nur ums Auswendiglernen ginge. Doch die Freude währte nur kurz. Ab dem zweiten Semester stand Anatomie an, und da ging es tatsächlich nur mehr ums Auswendiglernen. Ebenso bei den meisten anderen Fächern danach. Hatte ich noch im ersten Studienjahr einen Notendurchschnitt von 1,0, so wurden meine Noten ab dem dritten Semester rapide schlechter, und ich war froh, bei den Prüfungen überhaupt durchzukommen. Dies führte dazu, dass ich nach dem dritten Studienjahr zusätzlich zum laufenden Medizinstudium mit einem Studium der Informatik an der Technischen Universität Wien anfing. Da hatte ich wieder gute Noten - mein mathematisches Talent machte sich bezahlt. Nach insgesamt sieben Studienjahren erwarb ich meinen ersten Abschluss, einen Bachelor in Medizinischer Informatik; ich war zu diesem Zeitpunkt außerdem im dritten, also letzten Studienabschnitt Medizin. Ich leistete dann meinen Zivildienst ab, beim Wiener Roten Kreuz im Innendienst, wo ich vornehmlich Transportscheine nach Nummern sortieren musste - keine geistig sonderlich anspruchsvolle Aufgabe also. Das war aber eine sehr glückliche Zeit, denn ich hatte geregelte Arbeitszeiten und konnte am Abend tun, was ich wollte. Entsprechend meinen Interessen beschäftigte ich mich da vor allem mit Spieleprogrammierung. Nach dem Zivildienst studierte ich Medizin weiter und fing schließlich ein Masterstudium der Informatik (Computational Intelligence) an, in dem ich vorwiegend Kurse über Algorithmen, Logik und Theoretische Informatik besuchte. 

Während meines Studiums trat ich verschiedenen Vereinen bei. Als erstes der ÖMU, einer Fraktion der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH). In den Jahren vor meiner Matura hatte ich viele politische Zeitungen gelesen und mit Interesse die Berichte über die ÖH verfolgt. Dadurch hatte ich die fixe Idee, mich während meines Studiums selbst in der ÖH zu engagieren und mit eigenen Augen zu sehen, wie Politik gemacht wird. Doch durch die ÖMU wurde ich bald enttäuscht. In den Sitzungen, die ich jede Woche besuchte, wurde nämlich nur selten über Politik diskutiert. Die ÖMU betrachtete sich selbst eher als einen Dienstleister, der Skripten verkaufte, Fragen von Studierenden beantwortete und Partys organisierte. Glücklicher war ich Jahre später bei den Jungen Liberalen, für die ich dann auch kandidierte und die ich in Folge zwei Jahre lang in der Universitätsvertretung der TU Wien als Ersatzmandatar vertrat. Weiters war ich Mitglied beim Club Biotech, einem Verein von Studierenden verschiedener Richtungen, die im weitesten Sinn mit "Life Sciences" zu tun hatten. Durch diesen Club hatte ich die Gelegenheit, einige berühmte Wissenschaftler wie Carl Djerassi, Werner Arber und Susumu Tonegawa beim gemeinsamen Abendessen persönlich kennenzulernen. Wir Clubmitglieder fuhren auch zusammen nach Brünn und besuchten dort das Gregor-Mendel-Museum; ich fand, dass Brünn eine der schönsten Städte war, die ich je gesehen hatte. Am meisten gebracht hat mir jedoch die Mitgliedschaft im Verein Mensa, einem Verein, dem jeder beitreten kann, der in einem Intelligenztest einen bestimmten Mindestwert erreicht. Es hat in meinem Leben schon einige Anzeichen gegeben, dass ich hochbegabt sein könnte, etwa die Tatsache, dass ich mir das Programmieren gänzlich ohne Anleitung eines Erwachsenen selbst beigebracht habe oder mein gutes Abschneiden in einem Mathematikwettbewerb (von 149 Teilnehmern aus allen Gymnasien Wiens schnitt ich als Zweibester ab; dafür wurde ich sogar vom Direktor meiner Schule geehrt). Meine Erfolge im ersten Studienjahr gaben mir dann das Selbstbewusstsein, den Intelligenztest zu wagen, und tatsächlich reichte meine Punktezahl aus, um der Mensa beizutreten. Durch den Verein Mensa habe ich verschiedene Leute kennengelernt, mit denen es möglich war, auf hohem Niveau über verschiedene Themen zu sprechen, für die ich davor keine Gesprächspartner gefunden hatte. So hat Mensa dazu beigetragen, einige meiner Ansichten zu korrigieren und meinen geistigen Horizont zu erweitern. Dafür bin ich sehr dankbar. Dank Mensa habe ich nun auch wieder soziale Kontakte hier in Wien, mit denen ich von Angesicht zu Angesicht und nicht nur virtuell kommunizieren kann. 

Die "Highlights" meiner Studien

Von meinem Studium hatte ich mir erhofft, dass ich gleich von Anfang an in aktuelle Forschungsprojekte eingebunden wäre. Das war aber nicht der Fall. Nie lud uns irgendein Professor in der Vorlesung ein, an einem seiner Projekte mitzuarbeiten. Der Bedarf an begabten wissenschaftlichen Mitarbeitern war offenbar nicht so groß, wie ich aufgrund all der Berichte in den Medien geglaubt hatte. Nur einmal kam ein junger Assistent in eine Vorlesung, weil er bei einer Impfstudie Hilfe benötigte - aber er suchte keine Mitarbeiter, sondern Versuchskaninchen. Er versprach den weiblichen Studierenden, ihnen gratis Impfstoff gegen Humanes Papillomavirus (HPV) zur Verfügung zu stellen. Ich fand dieses Angebot moralisch bedenklich, weil es doch eine Aufforderung darstellte, ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben, verbunden mit all den sonstigen Risiken, die diese Praktiken bieten. Hätten die Mädchen konsequent nur Safer Sex, so wäre die Studie ja ohne Aussagekraft. Zumindest dachte ich das damals. Wie ich inzwischen gelesen habe, schützen auch Kondome nicht vor einer Infektion mit HPV. 

Was meinen Vorstellungen am ehesten entsprach, war das Wahlfach "Gentechnologie für Mediziner", das ich in den Ferien zwischen den ersten beiden Semestern absolvierte. Da wurde zwar nicht wirklich geforscht, sondern nur ein Versuch reproduziert, der schon längst bekannt war. Aber man arbeitete im Labor genau mit den Techniken, die auch die Genetiker an unserer Universität verwendeten. Insgesamt gefiel mir dieses Wahlfach sehr gut. 

Ein Highlight des Medizinstudiums stellen auch die Sezierkurse dar. Insgesamt bin ich vierzehn Wochen an der Leiche gestanden, jeweils Montag bis Freitag, drei Stunden pro Tag. Im "kleinen Sezierkurs" haben wir nur Arme und Beine präpariert, im "großen" Kurs haben wir dann an der ganzen Leiche gewerkt. Mein Vater hatte Sorgen, ob ich den Kurs schaffen würde, weil er mich für handwerklich ungeschickt hielt. Aber das war ich gar nicht, zumindest nicht im Vergleich mit anderen Studierenden. Auch in den Laborpraktika kam ich gut zurecht - so gesehen, waren die Bedenken bezüglich meiner Geschicktheit nicht gerechtfertigt. Dennoch strebte ich nie eine Laufbahn als Chirurg an, denn dieser Beruf war mir mit einem zu großen Risiko verbunden, etwas falsch zu machen und dadurch den Patienten zu schaden. Im Sezierkurs gab es auch jede Woche mindestens eine Prüfung, und für gute Noten musste man die Materie schon sehr gut beherrschen - da mir Auswendiglernen aber nicht lag, bekam ich meistens nur durchschnittliche Noten. 

Im Histologiekurs hatten wir einen sehr strengen Professor, der offen davon sprach, man müsse Studierende, die den Stoff nur schlampig lernen, eliminieren, weil es eine Gefahr für die Gesellschaft wäre, sollten solche Leute Ärzte werden. Zudem meinte er, Ärzten, die rauchen, sollte der Doktortitel entzogen werden. In den Physiologiekurs kam ich erst im Folgesemester, weil ich die Histologieprüfung nicht mehr rechtzeitig ablegen konnte. Da haben wir gegenseitig unsere Blutgruppen bestimmt und einige interessante Versuche zur Prüfung von Gehör und Sehsinn durchgeführt. Danach kam ich in den zweiten Abschnitt meines Medizinstudiums. 

Meine erste Famulatur hatte ich in den ersten Sommerferien gemacht, aber das war eine freiwillige Famulatur auf der Radiologie, und da habe ich im Wesentlichen nur den Ärzten bei der Arbeit zugesehen. Die erste richtige Famulatur habe ich zu Beginn des zweiten Abschnitts gemacht. Da ich auf der Website der HNO-Klinik am AKH gesehen hatte, dass noch eine Famulantenstelle frei war, meldete ich mich dort an, auch wenn mich HNO nicht sonderlich interessierte und ich noch kaum Vorkenntnisse hatte. Auf der HNO wurde ich von zwei jungen Ärztinnen betreut, und ich lernte vor allem, Aufnahmegespräche mit den Patienten zu führen. Ich erinnere mich noch daran, dass ich mich nicht traute, eine junge muslimische Patientin zu fragen, ob sie schwanger sein könnte, weil ich dachte, dass sie als unverheiratete, religiöse Person eine solche Frage als Affront auffassen könnte. Aber als Arzt muss man jeder Patientin solche Fragen stellen, klärten mich meine Betreuerinnen auf. 

War ich im ersten Abschnitt noch regelmäßig in die Vorlesungen gegangen, lernte ich im zweiten fast nur mehr aus Büchern. Einige Vorlesungen wurden sogar nicht einmal mehr angeboten, wie etwa die Hauptvorlesung über Pathologie. Das lag daran, dass ich nach einem auslaufenden Studienplan studierte - ich gehörte zum letzten Jahrgang, der noch im alten Plan war. Zum Teil konnte man Pathologievorlesungen für das neue Studium besuchen, aber diese waren inhaltlich nicht unbedingt deckungsgleich mit dem Stoff, der bei uns geprüft wurde. Überhaupt war Pathologie - genauso wie Physiologie und andere Prüfungsfächer - ein Fach, bei dem es sehr auf die Person des Prüfers ankam, was tatsächlich verlangt wurde. Meine Pathologie-Prüfung legte ich bei Prof. Klimpfinger ab. Er war recht freundlich und fragte eher klinische Bezüge ab, während andere Prüfer auf pathologisch-anatomische Details Wert legten. Ich weiß nicht, ob ich die Prüfung bei einem anderen Prüfer geschafft hätte. 

Nach meiner Famulatur auf der Inneren Medizin und einer einmonatigen Mitarbeit an einem Forschungsprojekt an der HNO-Klinik beschloss ich dann, Informatik zu studieren. Denn damals stand eben die Pathologie an, und das war, wie gesagt, ein Fach, das mir gar nicht lag. Ich hatte Angst, dass ich an dieser Prüfung scheitern würde und somit umsonst studiert hätte. Deshalb wollte ich mir mit der Informatik wenigstens einen verwertbaren akademischen Abschluss sichern. So besuchte ich am Anfang meines vierten Studienjahres die Vorlesung "Mathematik 1 für Informatiker" bei Prof. Baron, der nur ein Jahr später in Pension gehen sollte, und einige andere Lehrveranstaltungen. Da bekam ich wieder gute Noten. Parallel tummelte ich mich im Internetforum der österreichischen Mensa und übte mich so im Argumentieren und Diskutieren. 

Als ich dann die Prüfung über Pathophysiologie mit einer guten Note bestand, fühlte ich mich im Glauben bestärkt, dass ich das Medizinstudium doch schaffen würde. Im darauf folgenden Semester belegte ich gleichzeitig Pharmakologie und im Informatikstudium die arbeitsintensive Übung aus Software Engineering. Am Ende des äußerst anstrengenden Semesters hatte ich positive Zeugnisse über beide Lehrveranstaltungen. Damit war ich im dritten Abschnitt meines Medizinstudiums angelangt. 

Für den dritten Abschnitt brauchte ich am längsten - unter anderem, weil ich zwischenzeitlich meinen Zivildienst ablegen musste. Dafür hatte ich dann aber schon einen Abschluss in Medizinischer Informatik. Nun war ich unschlüssig, ob ich auch das dazu gehörige Masterstudium absolvieren sollte. Nachdem ich aber einige Lehrveranstaltungen aus diesem Masterstudium besucht hatte, kam ich zu dem Entschluss, dass ich lieber Computational Intelligence studieren wollte, weil mich das mehr interessierte. Die Theoretische Informatik war im Bachelorstudium mein Lieblingsfach gewesen, und auch die Lehrveranstaltungen über Algorithmen hatten mir gut gefallen. Das Masterstudium der Computational Intelligence bot die Möglichkeit, sich auf diese beiden Themengebiete zu spezialisieren. Und das tat ich nun, mit großem Erfolg: Im ersten Semester, in dem ich CI-Lehrveranstaltungen besuchte, hatte ich in jeder Lehrveranstaltung bis auf eine einen Einser. In weiterer Folge absolvierte ich auch einige Prüfungen aus dem Bereich Logik, was meinen persönlichen Interessen sehr nahe kam. 

Ende des Sommersemesters 2012 fehlte mir nicht mehr viel zum Abschluss des Studiums, bis auf die Diplomarbeit. Diese wollte ich auf jeden Fall im Bereich Algorithmik schreiben, weil ich meinte, hierfür am besten ausgebildet worden zu sein. Zunächst dachte ich an das Thema Graphenpartitionierung. Das war eines der Themen, die damals ausgeschrieben waren. Doch nach einiger Zeit gewann ich den Eindruck, dass man bei einem anderen, verwandten Thema noch eher zu neuen Erkenntnissen gelangen könnte, weil es noch weniger erforscht zu sein schien: dem selektiven Graphenfärbungsproblem. Dabei ging es darum, einen Teilgraphen mit möglichst niedriger chromatischer Zahl zu finden, der von jedem Cluster des gegebenen Originalgraphen genau einen Knoten enthielt. Also ging ich zu Dr. Bin Hu, dem Assistenten am Institut für Computergraphik und Algorithmen, der dieses Thema vorgeschlagen hatte, und erhielt gleich einige Papers, die ich mir durchlesen sollte. Bald darauf begann ich schon mit der Implementierung eines eigenen Lösungsansatzes, den ich dann im Lauf der Monate um einige weitere Funktionen ergänzte. Das Schwierigste war sicherlich die Umsetzung der Spaltengenerierung, einer Technik, mit der man ganzzahlige lineare Optimierung effizienter als sonst durchführen kann. Da ich mit einer Bibliothek arbeiten musste, mit der ich noch keine Erfahrungen gehabt hatte (ILOG CPLEX), hatte ich schon befürchtet, dass es mir nicht gelingen würde. Aber es klappte. Im April 2013 wurde die Diplomarbeit schließlich fertig, Prof. Raidl las sie sich durch und schrieb ein Gutachten, und so konnte ich mich zur kommissionellen Abschlussprüfung anmelden. Im Mai 2013 schloss ich dann auch mein Medizinstudium ab. 

Mein Medizinstudium - nun im Detail

Das erste Semester

Im Medizinstudium musste ich vorwiegend aus Lehrbüchern lernen; es war im Prinzip über weite Strecken ein Fernstudium. Mit den Lehrbüchern war ich an sich recht zufrieden. Eines der ersten Bücher, das ich kaufte, war das Lehrbuch der Medizinischen Physik von Prof. Adolf Friedrich Fercher. Im Prinzip war es ein Buch, wie ich es mir vorgestellt hatte. Recht trocken zwar, aber sehr interessant. Der Umfang des Lehrbuchs betrug fast tausend Seiten. Das entsprach in etwa dem Umfang eines durchschnittlichen medizinischen Lehrbuchs. Inhaltlich mutete es sehr technisch an. Es gab keine schönen Illustrationen darin, die das Lernen aufgelockert hätten, sondern nur technische Zeichnungen. Ansonsten war das Buch eine Textwüste. Aber an sich hatte ich das erwartet. Das mag daran liegen, dass ich zu Hause eine Menge älterer Bücher für Hochschüler hatte und mich das Lehrbuch der Medizinischen Physik an diese erinnerte. Dementsprechend war ich auch glücklich darüber, dass das Studium der Medizin mit Physik (und Chemie) anfing. Wie es damals im deutschen Sprachraum üblich war, war das Medizinstudium - zumindest am Anfang - tatsächlich ein naturwissenschaftliches Studium und nicht eine reine Ausbildung zum Arzt. Sicher, viele Studierende litten darunter, dass sie viele Dinge lernen mussten, die relativ schwierig zu verstehen waren und mit dem angestrebten Berufsziel (Arzt) wenig zu tun hatten. Aber mir bereitete das durchaus Freude. Umso schockierter waren manche Studienkollegen von mir dann, als ich in der Anatomie abstürzte - tja, hier zeigte sich eben, dass mich das eigentlich Medizinische zum damaligen Zeitpunkt noch nicht im gleichen Ausmaß interessierte wie die abstrakteren Naturwissenschaften, für die ich anscheinend, verglichen mit anderen Medizinstudenten, eine besondere Begabung hatte. 

Die Lehrbücher der Chemie waren nicht ganz so umfangreich; eigentlich waren sie sogar recht kompakt, verglichen mit den meisten medizinischen Lehrbüchern. Aber sie waren in kleiner Schrift bedruckt. Es gab drei Bände, an denen Prof. Goldenberg als Co-Autor beteiligt war. Einer beschäftigte sich mit allgemeiner und anorganischer Chemie, ein anderer war der organischen Chemie gewidmet, und der dritte Band enthielt Anleitungen zu den chemischen Übungen, die jeder Medizinstudent absolvieren musste. Ich erinnere mich noch daran, dass ich bereits vor dem Studium für den Eingangstest zu den chemischen Übungen zu lernen begonnen habe. Anfangs war dieser Test das Gesprächsthema Nummer 1 unter meinen Studienkollegen. Ende Oktober war der Spuk aber auch wieder vorbei. In den Multiple-Choice-Fragen, aus denen dieser Test bestand, hatte ich 35 von 40 Punkten erreicht. Damit hatte ich um gerade einmal einen Punkt die Bestnote verfehlt, also ein "Gut" bekommen. Es gab auch Kollegen, die alle 40 Punkte hatten; eine solche Kollegin kannte ich sogar persönlich: Es handelte sich um eine sympathische junge Dame aus der Slowakei, die, wie sich letztlich herausstellen sollte, ihr Studium sehr schnell hinter sich bringen und noch vor ihrem dreißigsten Geburtstag Fachärztin für Innere Medizin werden sollte. 

Im Fach Biologie gab es zwei sehr unterschiedliche Vorlesungszüge, der eine von verschiedenen Vertretern des Instituts für Medizinische Biologie (das später in "Institut für Medizinische Genetik" umbenannt wurde) und der andere von drei älteren Professoren von verschiedenen Instituten, namentlich Prof. Leopold Wündsch, Prof. Alfred Radda und Prof. Horst Aspöck. Da mir Prof. Wündschs Vortragsstil zusagte, besuchte ich meistens seine Vorlesung. Aber die Prüfung legte ich bei einer Mitarbeiterin des anderen Instituts ab. Der Grund bestand einfach darin, dass diese Prüferin mehr Wert auf Zellbiologie und Genetik legte, worin ich mich sattelfester fühlte, als auf die speziellen Themen der Zoologie, die den Schwerpunkt von Prof. Wündschs Vorlesung darstellten. Zudem war die Prüfung bei dieser Mitarbeiterin des Instituts für Medizinische Biologie - ihr Name war Prof. Sylvia Hagemann - schriftlich, und nur, wenn man zwischen zwei Noten stand, gab es nachher noch einen mündlichen Teil. Mir lagen die schriftlichen Prüfungen stets mehr als die mündlichen. Das sieht man auch an meinen Noten: In den schriftlichen Prüfungen hatte ich fast lauter Einser, nur in der Biochemie-Prüfung hatte ich einen Zweier. Unter den mündlichen Prüfungen sollte es hingegen nur eine einzige geben, auf die ich einen Einser bekommen sollte, nämlich die Gerichtliche Medizin (und das, obwohl dieses Fach nicht unbedingt zu meinen Interessensgebieten zählte). Für die Biologie gab es verschiedene Lehrbücher. Prof. Wündsch empfahl unter anderem den "Buselmaier", ein relativ kompaktes Taschenbuch, während das Institut für Medizinische Biologie den "Hirsch-Kauffmann" hochhielt. Ich besorgte mir all diese Bücher und las sie mir zum größten Teil durch. Speziell zum Lernen für die Prüfung gab es aber ein eigenes Skriptum, das eine Studentin verfasst hatte. Mit diesem Skriptum war ich dann letzten Endes optimal vorbereitet. 

Die Chemie-Prüfung war das erste Teilrigorosum, das ich absolvierte; einige Tage davor hatte ich das Physik-Praktikum mit einer Prüfung abgeschlossen. Die Chemie-Prüfung bei Prof. Goldenberg bestand aus zwanzig Fragen, für die man zwei Stunden Zeit hatte. Als ich meine Antworten abgab, hatte ich das Gefühl, nicht gut abgeschnitten zu haben und deshalb zu einer mündlichen Entscheidungsprüfung antreten zu müssen. So verbrachte ich das Wochenende den Stoff noch einmal wiederholend. Doch am Montag vormittag überreichte mir Prof. Goldenberg ein Zeugnis mit der Note "sehr gut". Dabei sprach er die Worte: "C., M. und B. haben einen Einser. Sie können gehen." Ich war ganz verdutzt, aber freute mich sehr. Offenbar war es Prof. Goldenberg doch nur ums Verständnis gegangen, und meine Sorgen, dass ich vielleicht in die Strukturformeln Fehler eingebaut hatte und deswegen eine schlechte Note bekommen würde, waren umsonst gewesen. Natürlich verbarg ich meine Freude nicht, und so erfuhren bald die meisten aktiven Studienkollegen des ersten Semesters, die zum gleichen Zeitpunkt die Prüfung gemacht hatten (wenn auch zum Teil bei anderen Prüfern), dass ich einen Einser bekommen hatte. Das bewirkte auch, dass ein Studienkollege, der mir bis dahin sehr arrogant vorgekommen war, auf einmal mit mir zu reden begann, wobei er einen durchaus freundlichen Eindruck machte. Es war ein sehr interessantes Erlebnis: Er stand damals in der Schlange und wartete darauf, an die Reihe zu kommen, um sein Zeugnis zu holen. Dabei wirkte er wie versteinert. Als ich dann auf einmal bekannt gab, dass ich einen Einser bekommen habe, schien sich etwas in ihm zu regen, und er erwachte sprichwörtlich zum Leben. Mit diesem Kollegen sollte ich in den nächsten paar Semestern noch öfters zu tun haben; wir besuchten gemeinsam verschiedene Vorlesungen und den Sezierkurs und unterhielten uns bei diesen Gelegenheiten. Allerdings sollte sich mein Kollege als (zumindest was das Lernen für die medizinischen Prüfungen betrifft) begabter herausstellen; er sollte sich als einer der schnellsten Studenten von allen erweisen und sein Studium nach nur sieben Semestern abschließen. Als ich Jahre später im Internet nach ihm suchte, fand ich heraus, dass er nun in Deutschland als Gerichtsmediziner arbeitete - das war schon während des Studiums sein Traumberuf gewesen. Toll, dass er sein angestrebtes Ziel tatsächlich verwirklichen konnte! 

In den darauf folgenden Winterferien beschäftigte ich mich intensiv mit Physik. Dabei lernte ich vor allem nach dem Lehrbuch von Trautwein et al. Dieses Buch war etwas weniger umfangreich als das von Prof. Fercher, und ich fand es auch des Stils wegen zum Lernen besser geeignet. Beim Lernen kam ich selbst auf verschiedene Zusammenhänge und Analogien, und dies führte dazu, dass ich schließlich ein eigenes Skriptum schrieb: "Physik verstehen - Zusammenhänge erkennen statt auswendig lernen". Dieses Skriptum veröffentliche ich zunächst auf meiner Homepage. Später ergab sich die Gelegenheit, es über den GRIN-Verlag vertreiben zu lassen, aber es wurde nicht allzu oft verkauft, was zum Teil auch daran gelegen haben mag, dass man es ohnehin auch per Vorschau-Funktion online lesen konnte. Mit dem Schreiben von Lehrbüchern und Skripten wird man jedenfalls nicht reich. Zunächst war das Skriptum aber auf meiner Homepage kostenlos erhältlich, und ich nutzte diese Gelegenheit, um auf der Uni für meine Homepage Werbung zu machen. Ich klebte dazu selbst gestaltete Plakate mit der Adresse meiner Homepage auf verschiedene Stellen in diversen Gebäuden, wo Plakatieren erlaubt war. Meine Homepage bekam daraufhin rund 20.000 Hits - mehr als in den anschließenden zehn Jahren insgesamt. Leider wurde ich von vielen Besuchern in meinem Gästebuch zum Teil übel beschimpft; aber das muss man ertragen können, wenn man zu einem gewissen Grad "prominent" ist. Im Januar besuchte ich dann das Repetitorium, das Prof. Fercher auf Wunsch der Studierenden hielt, und trat am Ende des Monats zum Rigorosum an. Die Prüfung fand ich so leicht, dass ich - im Gegensatz zur Chemieprüfung im Dezember - mir diesmal sicher war, dass ich eine gute Note erwarten könnte. Tatsächlich bekam ich einen Einser, mit 39 von 40 Punkten. Wahrscheinlich hatte man mir einen Punkt abgezogen, weil ich eine Wissensfrage etwas unpräzise beantwortet hatte. Aber egal, Einser ist Einser! 

So schmiedete ich als Nächstes Pläne für das Biologie-Rigorosum. Dabei kam mir gelegen, dass ich in den Semesterferien ein Wahlfachpraktikum über Gentechnik absolvierte. Die Lehrveranstaltungsleiterin, Prof. Hagemann, war auch Prüferin für das Biologie-Rigorosum, und so entschied ich mich für sie. Ich erinnere mich noch, dass ich im Wahlfach unbedingt einen Einser haben wollte und es daher auf mich nahm, das Protokoll zu unserem Praktikum auch nach erster Durchsicht durch Frau Professor noch einmal zu überarbeiten. So wusste Frau Prof. Hagemann, dass ich Perfektionist war. Die Biologie-Prüfung selbst bestand aus vier Fragen, die ich problemlos beantworten konnte. Nach einigen Tagen bat mich Frau Professor zu sich und meinte, alles sei gut, nur in der Frage zur Parasitologie (die Parasitologie war zwar nicht ihr Schwerpunkt, wurde aber sehr wohl abgeprüft; allerdings war der Stoff im Vergleich zu dem, was Prof. Wündsch zu diesem Thema verlangte, überschaubar) hatte ich ein ihrer Meinung nach wichtiges Detail nicht genannt. So prüfte sie mich noch mündlich über Genetik, und da ich hierüber vieles wusste, gab sie sich zufrieden und gab mir einen Einser. Ich war sehr glücklich, dass ich nun also in allen drei naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern - Chemie, Physik und Biologie - so gut abgeschnitten hatte. 

Zweites und drittes Semester

Ich pflegte damals auch Vorträge von Wissenschaftlern zu besuchen, die sich an unserer Universität habilitieren wollten. Auf diese Weise wollte ich in Erfahrung bringen, woran an unserer Uni konkret geforscht wurde. Bei einem dieser Vorträge begegnete ich einem der Ordinarien für Anatomie und war so unverfroren, ihm einen Sitzplatz anzubieten. Der Ordinarius wirkte richtig schockiert, dass es ein viel jüngerer Mann - offenbar ein Student - wagte, ihm einen Sitzplatz anzubieten. Naja, damals hatte ich bestimmte soziale Konventionen eben noch nicht verinnerlicht. 

Im zweiten und dritten Semester besuchte ich bei diesem Ordinarius die Hauptvorlesung aus Anatomie. Zuerst handelte sie von Knochen, Bändern und Gelenken. Dieser Teil der Vorlesung diente zur Vorbereitung auf das berühmt-berüchtigte "Knochenkolloquium", einen Multiple-Choice-Test, den jeder Student absolvieren musste, um zum verpflichtenden Sezierkurs zugelassen zu werden. Ich hatte das Glück, dass diese Prüfung ausnahmsweise erst nach den Osterferien stattfand, so dass man mehr Zeit hatte, sich vorzubereiten. Normalerweise findet die Prüfung bereits einen Tag nach dem Ende der dazu gehörigen Vorlesung statt. Im Handel waren verschiedene Bücher und Fragensammlungen erhältlich, die einem bei der Vorbereitung helfen sollten. Obwohl ich fleißig lernte, bekam ich auf die Prüfung nur einen Dreier - so schwierig war sie. Hatte ich allerdings geglaubt, damit die größte Hürde bewältigt zu haben, wurde ich rasch eines Besseren belehrt: Im Sezierkurs hieß es gleich zu Beginn, wir müssten sämtliche Muskeln der oberen und der unteren Extremität lernen und würden darüber nach dem Wochenende (der Kurs begann an einem Donnerstag) geprüft werden. Für diese Prüfung lernte ich nicht Tag und Nacht, weil ich mich bereits vorher, bevor ich erfuhr, dass es so kurz nach Kursbeginn wieder eine Prüfung geben würde, zu einer biologischen Exkursion angemeldet hatte. Somit "verlor" ich den Samstag vormittag. Die restliche Zeit verbrachte ich vor allem damit, die benötigte Information (lateinischer Name, Ursprung, Ansatz, Funktion, Innervation) aus den Lehrbüchern zu extrahieren und in Form einer Tabelle zusammenzufassen. Zu einem richtigen Lernen kam ich gar nicht. Dementsprechend bestand ich die Prüfung nur knapp. Das nahm ich mir so zu Herzen, dass ich mir vornahm, auf alle anderen Prüfungen im Kurs die Bestnote zu bekommen, was mir schlussendlich auch gelang. So schloss ich den Kleinen Sezierkurs insgesamt mit einem "Gut" ab. 

Im gleichen Semester fand auch ein erster Mikroskopierkurs statt, den ich ebenfalls - wie das Knochenkolloquium - mit einem "Befriedigend" (also einem Dreier) abschloss. Ich machte im Kurs die Entdeckung, dass sich die Präparate durch das Mikroskop hindurch mit meiner Digitalkamera aufnehmen ließen, und stellte daraufhin meine Fotos ins Internet. Dies erhöhte einerseits wieder meinen Bekanntheitsgrad unter meinen Studienkollegen, brachte mir aber auch Kritik ein, weil die Qualität meiner Aufnahmen manchen Studierenden nicht gut genug war. 

Außerdem absolvierte ich im zweiten Semester zwei Wahlfach-Seminare zum Thema "Artificial Intelligence und ihre Anwendungen" sowie das Wahlfach "Humangenetisches Seminar". Ich hatte somit am Ende des zweiten Semesters Zeugnisse über drei verschiedene Wahlfächer in der Tasche - dabei ist es laut Studienplan nur vorgesehen, ein einziges Wahlfach im ganzen Studium zu absolvieren. Mein Fleiß wurde freilich nicht entlohnt; keines der Pflichtfächer blieb mir erspart. 

Ferner gelang es mir, mich zum Biochemie-Praktikum anzumelden, obwohl dies normalerweise erst ab dem vierten Semester möglich war. Da ich mich nicht zurückhalten konnte und anderen Studierenden lautstark von meiner Errungenschaft erzählte, begab es sich, dass mehrere Kollegen aus meinem Semester zu Prof. Goldenberg gingen und ihn baten, er möge sie ebenfalls zum Biochemie-Praktikum zulassen. Letzten Endes waren es dann also mehrere Zweitsemestrige, die im Juni am Biochemie-Praktikum teilnahmen. Das Praktikum selbst gefiel mir gut, und ich war auch sehr erfolgreich und schloss es mit der Note "sehr gut" ab. Ich merkte dabei aber auch, dass ich schon etwas erschöpft war und Ruhe brauchte. 

Dazu, dass ich mich wirklich ausgeruht hätte, kam es aber nicht. Im Juli famulierte ich auf der Radiologie, wobei ich feststellte, dass ich noch zu wenig von Anatomie und Pathologie wusste, um den Ärzten wirklich helfen zu können; danach widmete ich mich den Lehrbüchern der Biochemie, um am Anfang des dritten Semesters die dazu gehörige Fachprüfung ablegen zu können. Doch ich trieb es zu weit mit dem Lernen: Anstatt nur das hervorragende Skriptum von Dr. Matthias Mayerhofer zu lernen, das Prof. Goldenberg persönlich korrekturgelesen hatte, wollte ich auch noch den ganzen "Löffler-Petrides" lernen. Nach zwei Monaten stellte ich fest, dass ich das, was ich ganz am Anfang gelernt hatte, bereits wieder vergessen hatte, und war verzweifelt. Hinzu kam, dass der von mir bevorzugte Prüfer, Prof. Schneider, zu meinem Wunschtermin gar nicht zur Verfügung stand und ich mit Prof. Tuppy Vorlieb nehmen musste. Und Prof. Tuppy legte sehr viel Wert auf das korrekte Wiedergeben von Strukturformeln, was mir so gar nicht lag. So kam es, dass ich auf die Prüfung nur einen Dreier bekam, was mich sehr ärgerte, weil mich das Fach selbst interessiert hatte. Ich beschloss, dass ich die Prüfung bei Gelegenheit freiwillig wiederholen würde. 

In der Zwischenzeit hatte schon das dritte Semester und damit der Große Sezierkurs begonnen. Von Montag bis Freitag standen wir jeden Tag drei Stunden an der Leiche und mussten unser handwerkliches Geschick unter Beweis stellen. Hinzu kamen regelmäßige Prüfungen bei unseren Demonstratoren, höhersemestrigen Studierenden, die uns Kursteilnehmer mehr oder weniger gut betreuten, und gelegentliche größere Prüfungen beim Reihenchef. Pro Tisch gab es fünf bis sechs Sekanten und einen oder zwei Demonstratoren. Kurz nach Kursbeginn musste ich den Tisch wechseln, weil ein Student ausgefallen war und der Tisch nun nur mehr vier Sekanten hatte. Mit meinen Kollegen am Tisch hatte ich leider kein allzu gutes Verhältnis; am ehesten verstand ich mich noch mit A., einer fleißigen Studentin, die bereits vor dem Abschluss ihres Erststudiums (Pädagogik und Publizistik) stand und nun, ein paar Jahre älter als die meisten Studienkollegen, mit dem Medizinstudium angefangen hatte. Daneben gab es noch D., einen Privatschul-Absolventen, der von seinen Lehrern immer gelobt worden war und nun traurig war, dass er nicht mehr lauter Einser bekam. Er riss manchmal etwas kindische Witze, die mich eher irritierten als unterhielten. Ferner C., ein hübsches Mädchen, das sich im Kurs aber eher schwer tat, und I., eine Russin, die mit gewissen Sprachproblemen zu kämpfen hatte, vor allem auch, weil sie in der Schule kein Latein gehabt hatte. Obwohl es theoretisch möglich gewesen wäre, einander zu treffen und sich gemeinsam auf die Prüfungen vorzubereiten, blieben die Kursteilnehmer an unserem Tisch bis zum Schluss Einzelkämpfer. Wir hatten zwei Demonstratoren, E., einen runden, gemütlichen Niederösterreicher, und S., den Sohn eines Kärntner Landwirts, sehr intelligent, aber eher unfreundlich und bisweilen auch ein bisschen zynisch. Im Gegensatz zu den meisten Tischen bekamen wir von unseren Demonstratoren zum Schluss keine Tipps für die Abschlussprüfung (ein Multiple-Choice-Examen), und so ergab es sich, dass alle Studenten dieses Tisches bis auf A. durchfielen. Bei der Nachprüfung im Januar kamen wir alle dann aber durch. Im Januar absolvierte ich dann auch das zweite Mikroskopierpraktikum. 

Viertes und fünftes Semester

Anfang des vierten Semesters legte ich mein Anatomie-Rigorosum ab, das ich knapp, aber doch bestand. Dann ergab es sich leider, dass meine Planung über den Haufen geworfen wurde, als ich herausfand, dass es möglich war, zum Physiologie-Praktikums-Einstiegstest anzutreten, auch wenn man zum Stichtag noch nicht alle Rigorosen absolviert hatte, die normalerweise als Voraussetzung galten. Also meldete ich mich zu diesem Test an. So entstand die Situation, dass ich Ende März fast gleichzeitig zu drei Prüfungen antrat, nämlich zum Biochemie-Rigorosum (das ich freiwillig wiederholte; diesmal bekam ich einen Zweier), zum Histologie-Rigorosum (in dem ich durchfiel) und zum Physiologie-Einstiegstest (in dem ich ebenfalls durchfiel). Wenn ich den Physiologie-Test zur Seite geschoben hätte, dann hätte ich die Histologie-Prüfung wohl bestanden. So konnte ich erst im Mai wieder in Histologie antreten (diesmal kam ich durch) und hatte aus organisatorischen Gründen keine Möglichkeit mehr, noch einmal in diesem Semester zum Physiologie-Test anzutreten. Ergo hatte ich in diesem Semester viel Leerlauf. Diese Zeit nutzte ich, um die Hauptvorlesung über Vegetative Physiologie bei Prof. Binder zu besuchen; sie gefiel mir so gut, dass ich dann auch einen Artikel über Inhalte dieser Vorlesung für die Österreichische Mediziner Zeitung und die Zeitschrift der Mensa Österreich verfasste. Parallel besuchte ich auch einen Kurs von unserem Physiologie-Institut mit konkreten medizinischen Fällen und deren physiologischer Begründung. 

Die Sommerferien verbrachte ich mit einem Russischkurs an der Universität und in Prag, wo ich an einer Summer School über kardiopulmonäre Physiologie teilnahm, die von Professoren der Harvard University geleitet wurde. Anfang des fünften Semesters trat ich wieder zum Physiologie-Praktikums-Einstiegstest an, und wieder hieß es zunächst, ich hätte versagt; bei der Prüfungseinsichtnahme stellte sich jedoch heraus, dass mir für eine Frage kein Punkt gegeben worden war, obwohl meine Antwort richtig gewesen war, und so hatte ich die Prüfung nun doch (wenn auch sehr knapp) bestanden. Dann absolvierte ich also das Praktikum, das aus einem Neurophysiologie- und einem vegetativen Teil bestand, wobei ich bei der Praktikums-Abschlussprüfung wieder durchfiel, weil ich genau jene Dinge gefragt wurde, die zwar Stoff des Praktikums waren, von unseren Betreuern aber ausgelassen worden waren. Beim zweiten Antritt kam ich durch und meldete mich daraufhin zum Rigorosum an. Das Rigorosum bestand aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Im praktischen Teil, der zuerst an die Reihe kam, stellte ich mich derart ungeschickt an, dass meine Prüferin gar nicht wusste, was sie sagen sollte. Schließlich stellte sie mir einige Wissensfragen (das gehörte aber noch zum praktischen Teil) und machte dabei ein Gesicht, das nicht gerade Begeisterung ausstrahlte. Zur theoretischen Prüfung konnten wir wahlweise entweder sofort oder erst nach dem Wochenende antreten. Ich war mir nicht sicher, was besser wäre, und hörte mir zunächst die Prüfungsgespräche meiner Kollegen an, die sich für den Soforttermin entschieden hatten; letzten Endes wählte ich dann aber den Montag. So hatte ich noch ein Wochenende Zeit, um das Wichtigste zu wiederholen. Als ich am Montag an die Reihe kam, stellte sich heraus, dass meine Prüferin zwar eine harte Schale, aber einen weichen Kern hatte; nach etwa einer halben Stunde gab sie mir ein Zeugnis mit einer positiven Note. Ich war erleichtert. Der erste Studienabschnitt war geschafft! So richtig freuen konnte ich mich aber nicht. Denn meine Noten waren insgesamt bei weitem nicht mehr so gut, wie ich es aus der Schulzeit gewohnt war. Mein Vater meinte, ich sei halt ein Schmalspur-Mediziner. 

Der zweite Studienabschnitt

Daraufhin ergriff meine Mutter die Initiative: Sie wollte, dass ich für die nächste Prüfung wieder ordentlich lernte. Also paukte sie mit mir zusammen die Fragensammlung über Medizinische Psychologie, die im offiziellen Lehrbuch enthalten war. Bei der Prüfung konnte ich drei von vier Fragen problemlos beantworten; bei der vierten war ich mir unsicher, doch der Prüfer wertete auch diese als richtig. So bekam ich also wieder einen Einser. Auf die zwei nächsten Rigorosen - Radiologie und Hygiene (wozu auch die Medizinische Mikrobiologie gehörte) - bekam ich aber wieder nur Vierer. 

So kam es dazu, dass ich mich fragte, ob das Medizinstudium wirklich das Richtige für mich sei. Nach einer kurzen Mitarbeit in einem Forschungslabor und einer Famulatur an der Inneren Medizin in den Sommerferien beschloss ich, ein Informatikstudium anzufangen, weil ich glaubte, dass ich für ein solches Studium auf jeden Fall geeignet wäre. Im Informatikstudium hatte ich dann auch tatsächlich wieder gute Noten. Ich war also nicht verblödet, sondern mir lag einfach die Medizin nicht. Am Ende des Studienjahres wollte ich dann mein Medizinstudium fortsetzen und meldete mich zur Pathologie-Prüfung an. Dieser erste Antritt misslang, weil ich einige Grundkenntnisse aus der Anatomie bereits vergessen hatte. In den Ferien suchte ich nach einem Kollegen, mit dem ich gemeinsam lernen könnte, weil ich glaubte, dass das meine Motivation heben würde. Im Internet lernte ich Prakash kennen, einen Studienkollegen aus Indien, der ebenfalls vor der Pathologie-Prüfung stand. Wir trafen einander also jeden Tag und lernten gemeinsam. Dabei glitten wir aber immer wieder in Gespräche über Themen wie Politik, Geschichte, Philosophie und Physik (er hatte einige Semester lang Physik studiert) ab. Insgesamt fand ich Prakash wesentlich intelligenter und auch freundlicher als die meisten jungen Österreicher, die ich bisher kennengelernt hatte. Er sollte später in Deutschland als Psychiater arbeiten. 

Beim zweiten Antritt bestand ich die Pathologie-Prüfung. Mit der Funktionellen Pathologie (auch Pathophysiologie genannt) verhielt es sich ähnlich: Beim ersten Antritt scheiterte ich, beim zweiten war ich jedoch sogar so gut, dass sich der Prüfer überlegte, ob er mir einen Einser oder einen Zweier geben sollte. Da ich meinen Praktikumsnachweis nicht dabei hatte, konnte er mir nicht sofort ein Zeugnis ausstellen und hatte so mehr Bedenkzeit. Als ich einige Tage danach mein Zeugnis im Sekretariat abholte, stellte sich heraus, dass er sich für den Zweier entschieden hatte. Jedenfalls war ich nun zuversichtlich, dass ich doch in der Lage sei, auch in medizinischen Prüfungen gute Noten zu bekommen. Das nächste Semester widmete ich der Pharmakologie, wobei ich regelmäßig die Vorlesung besuchte, aus dem "Aktories" lernte und auch die einmalige Gelegenheit nutzte, bei Mitarbeitern des Pharmakologie-Instituts Zwischenprüfungen über einzelne Kapitel der Pharmakologie abzulegen. Am Ende des Monats trat ich bei Prof. Michael Freissmuth zum Rigorosum an. Drei Stunden lang wurde ich (und ein Kollege aus dem Nahen Osten) geprüft; ich bestand und bekam einen Dreier. Damit hatte ich auch den zweiten Studienabschnitt abgeschlossen - übrigens hätte ich es mir nicht erlauben können, bei der Pharmakologie-Prüfung durchzufallen, weil ich dann die Übergangsfristen überschritten hätte und beim Rektorat um eine ausnahmsweise Verlängerung hätte ansuchen müssen. So ist doch noch alles gut ausgegangen. 

Der dritte Studienabschnitt

Im dritten Abschnitt kam ich zunächst flott voran - allein im ersten Semester legte ich vier von zwölf Fachprüfungen ab. Doch dann musste ich krankheitsbedingt pausieren und widmete mich nach der Pause zuerst meinem Informatikstudium, dann dem Zivildienst, und schließlich lernte ich eine junge Frau kennen und verbrachte mit ihr viel Zeit, so dass mein Studium nur mehr schleppend voranging. Letzten Endes ging aber alles glatt. Nur die Neurologie, die ich mir bis zum Schluss aufhob, stellte eine größere Hürde dar. Bereits Ende des Sommersemesters 2011 war ich so weit, dass mir nur mehr die Neurologie fehlte. Aber erst im Mai 2013 bestand ich diese Prüfung. In der Zwischenzeit absolvierte ich ein komplettes Masterstudium der Computational Intelligence! 

Mein Informatikstudium

Mit dem Informatikstudium fing ich im Wintersemester 2004 an, nachdem ich schon drei Jahre lang Medizin studiert hatte. Zu Beginn erwartete mich die Vorlesung "Mathematik 1" von Prof. Gerd Baron, die sich vornehmlich mit linearer Algebra beschäftigte. Ich konnte Prof. Baron gut folgen und fand die Vorlesung interessant. Einmal glaubte ich, auf eine logische Inkonsistenz gekommen zu sein; also nutzte ich die Gelegenheit, ihm schriftlich eine Frage hierzu zu übergeben. Tatsächlich besprach er meine Frage dann in seiner Fragestunde, die immer freitags stattfand; aber er ging nur oberflächlich auf sie ein, mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht, und leitete zu einem Thema aus der Zahlentheorie über. Wahrscheinlich hatte ich also Recht gehabt, dass ich ihn bei einer logischen Inkonsistenz erwischt hatte, und er hatte es auch begriffen, wollte es aber nicht offen zugeben. Professoren sind eben auch nur Menschen. 

Mit Prof. Baron hatte ich ja schon in meiner Schulzeit zu tun gehabt: Er war Organisator der Österreichischen Mathematik-Olympiade und als solcher auch für den Wiener Mathematik- und Denksportwettbewerb zuständig, in dem ich damals den zweiten Platz von 149 Teilnehmern erhielt (ich war damals sehr traurig darüber, dass ich nicht Erster geworden war). Er verlieh mir damals ein Zeugnis mit dem Prädikat "herausragend". Im Studium freilich erhielt ich von ihm nicht so gute Noten: Die Prüfung in "Mathematik 1" bestand ich mit der Note "befriedigend", und für "Mathematik 2" (Analysis, Graphentheorie und Kombinatorik) gab er mir im darauf folgenden Sommersemester ein "Genügend" - allerdings hatte ich für letztere Prüfung auch nur zwei Tage gelernt. In den Übungen zu den Mathematik-Lehrveranstaltungen hatte ich hingegen lauter Einser, auch in den Übungen zur Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik sowie später, im Masterstudium, in der Übung "Analyse von Algorithmen", die ebenfalls rein mathematischer Natur war (und eigentlich eine Lehrveranstaltung für Masterstudenten der Technischen Mathematik war). 

Im ersten Semester gab es zudem eine Vorlesung von Prof. Gerhard-Helge Schildt über die "Grundzüge der Informatik", in der ich meistens war, und eine Vorlesung über "Informatik und Gesellschaft 1", die ich nicht besuchte (ich bereitete mich an Hand eines Skriptums auf die Prüfung vor). Zudem besuchte ich als Wahlfach "Technical English 1" und ein Proseminar über wissenschaftliches Arbeiten, in dessen Rahmen ich einen Vortrag über Raytracing hielt, der beim Professor sehr gut ankam. 

Im zweiten Semester kamen dann, neben der bereits erwähnten Analysis, einige der für mich interessantesten Fächer, nämlich "Algorithmen und Datenstrukturen 1" sowie "Theoretische Informatik 1". Auch im Kurs über Datenmodellierung bekam ich eine gute Note. 

Ab dem dritten Semester hatte ich Lehrveranstaltungen speziell zur Medizinischen Informatik, darunter Informationssysteme und Bildverarbeitung. Diese wurden teilweise von Professoren der Medizinischen Universität (jedoch Nicht-Medizinern) gehalten, und ich fand sie ziemlich leicht verglichen mit den Lehrveranstaltungen der Technischen Universität. Es gab auch eine Vorlesung über Medizinische Methodologie, die sich vornehmlich mit Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie beschäftigte - das war auch etwas, das mir sehr lag. 

Im vierten Semester absolvierte ich, neben dem Büffeln für die Pharmakologie-Prüfung im Medizinstudium, die recht zeitaufwändige Software-Engineering-Übung. Danach widmete ich mich erst einmal der Medizin, obwohl mir nicht mehr viele Prüfungen zum Bachelor-Abschluss fehlten. In der Genesungsphase nach einem längeren Krankenstand ging ich das Studium etwas langsamer an. 2008 wurde ich schließlich mit dem Bachelorstudium fertig. Am meisten habe ich für die Statistik-Prüfung gelernt. Im schriftlichen Teil, der aus Rechenaufgaben bestand, erreichte ich die Note drei, und im mündlichen (Theorie-)Teil war ich dann so gut, dass ich insgesamt einen Zweier auf die Prüfung bekam. So hatte ich nach insgesamt sieben Jahren Studium endlich einen Abschluss in der Tasche, mit dem ich mich theoretisch bei einer Firma um einen Job bewerben hätte können. Aber da ich mit dem Medizinstudium noch nicht fertig war, kam das natürlich noch nicht in Frage. 

Nach meinem Zivildienst wollte ich mich zwar primär der Medizin widmen, gleichzeitig aber auch ein Masterstudium der Informatik betreiben. Da ich im Bachelor Medizinische Informatik gemacht hatte, meinte mein Vater, es wäre wohl am Besten, wenn ich mich auch im Master auf die Medizinische Informatik konzentrierte. Dagegen hatte ich zunächst keinen Einwand und inskribierte mich also für das Masterstudium der Medizinischen Informatik. Ich besuchte dann einige Lehrveranstaltungen, wie zum Beispiel "Computersimulation in der Medizin", fand die meisten aber nicht allzu interessant. Eher reizte es mich, mehr über Algorithmen und Theoretische Informatik zu lernen, was man im Masterstudium Computational Intelligence tun konnte. Noch für Medizinische Informatik inskribiert, besuchte ich dann vornehmlich Lehrveranstaltungen aus dem Studienplan Computational Intelligence. Diese gefielen mir dann so gut, dass ich schließlich überhaupt zum Studium der Computational Intelligence wechselte. 

Zu den Fächern, die ich im Wintersemester 2010 besuchte (noch vor dem offiziellen Beginn meines CI-Studiums), zählten "Effiziente Algorithmen", "Effiziente Programme", "Heuristische Optimierungsverfahren", "Brain Modeling" und "Algorithmische Geometrie". In all diesen Fächern bis auf die Heuristischen Optimierungsverfahren bekam ich einen Einser, was deutlich zeigte, dass ich in der Lage war, sehr gute Leistungen zu erbringen, wenn mich ein Fach wirklich interessierte. Nachdem ich mich im Sommersemester wieder der Medizin gewidmet hatte, belegte ich im Studienjahr 2011/2012 vor allem Kurse über mathematische Logik, die mich ebenfalls sehr interessierten, darunter "Advanced Mathematical Logic" beim Gastdozenten Dr. Libor Behounek und "Geschichte der Logik" bei Prof. Hans Tompits, ferner "Logic and Computability" bei Prof. Chris Fermüller und Prof. Agata Ciabattoni sowie "Knowledge-based Systems" und "SAT Solving and Extensions" bei Prof. Uwe Egly, dazu "Complexity Analysis" bei Prof. Thomas Eiter, "Discrete Reasoning Methods" bei Prof. Stefan Szeider und mehrere Seminare, unter anderem bei Doz. Stefan Woltran, der - wie ich später herausfand - als Jugendlicher ebenfalls in der Computerkunst-Bewegung engagiert gewesen war, in deren Rahmen ich ja viele Jahre lang eine Zeitschrift herausgegeben hatte (er war freilich zu dem Zeitpunkt, als ich die Szene kennenlernte, nicht mehr darin aktiv, was der Grund war, warum ich ihn vor dem Studium noch nicht gekannt hatte). 

In den Sommerferien 2012 begann ich dann mit meiner Diplomarbeit, die ich im April 2013 fertigstellte. Im Wintersemester 2012 nutzte ich noch die Gelegenheit, einige Lehrveranstaltungen zu besuchen, auch wenn ich nicht alle für mein Studium verwerten konnte, weil ich bereits genug ECTS-Punkte hatte; es hat sich aber gelohnt, weil ich dabei viel gelernt habe. Besonders gut hat mir die Vorlesung mit Übung "Advanced Topics in Theoretical Computer Science" von Doz. Laura Kovacs gefallen, in der ich meine Kenntnisse über Automatentheorie, formale Sprachen, Turing-Maschinen, Berechenbarkeits- und Komplexitätstheorie erweiterte und vertiefte. Ich besuchte dann auch eine weitere Lehrveranstaltung von ihr, die sich mit "Automated Reasoning and Verification" beschäftigte. Auf beide Prüfungen bekam ich einen Einser, denn es handelte sich um Dinge, die mich interessierten und die meinen Begabungen entsprachen. 

Mit Computational Intelligence habe ich sicherlich einen der schwierigsten (und mathematiklastigsten) Informatik-Studiengänge gewählt, aber es hat sich gelohnt: Die meisten Lehrveranstaltungen haben mich sehr interessiert, und ich habe auch überwiegend gute Noten bekommen. Insgesamt war das Informatikstudium aber für mich mit viel weniger Arbeit und Frustrationen verbunden als das Medizinstudium. Wahrlich, wenn jemand nur Informatik studiert hat, dann kann er sich gar nicht in meine Situation als Medizinstudent einfühlen! Zwischen diesen beiden Studienrichtungen liegen ganze Universen! 

Freizeitaktivität Mensa

Zu meiner persönlichen Entwicklung trug auch sehr die Mitgliedschaft im Verein Mensa bei, weil ich dadurch erstmals die Möglichkeit hatte, intelligente Menschen kennenzulernen, mit denen ich über Dinge diskutieren konnte, für die ich zuvor keinen Gesprächspartner hatte. 

Auch wenn mir meine Mutter, als ich klein war, immer wieder gesagt hatte, dass ich "besonders gescheit" sei, kamen in mir mit zunehmender Reife immer mehr Selbstzweifel auf. Als Heranwachsender beobachtete ich mich selbst sehr genau und fragte mich bei allem, was ich tat, ob es sich nun um ein Zeichen von Intelligenz oder eher um ein Zeichen des Fehlens von Intelligenz handelte. Vor meinem Studium wagte ich es nie, mich einem Intelligenztest zu stellen, weil ich wusste, dass ich in eine schwere Krise geraten würde, wenn ich in einem solchen Test schlecht abschnitte. Meine Motivation dafür, in der Schule gut zu sein, war, dass ich der Meinung war, ich könnte das, was ich in der Schule lernen musste, später im Leben brauchen. Außerdem strebte ich ja eine Karriere in der Wissenschaft an und nahm an, dass dort lauter gebildete Leute sein würden und es deswegen wichtig wäre, selbst gebildet zu sein, also viel zu wissen. Mir selbst ging es beim Lernen aber immer in erster Linie um das Verstehen; wenn etwas zu erlernen war, das keinen Nutzen hatte, um ein besseres Verständnis der Welt zu erlangen, tat ich mir immer relativ schwer. Das war auch eines meiner größten Probleme im Medizinstudium, vor allem in morphologischen Fächern wie Anatomie, Histologie, Pathologie und Chirurgie, während mir die naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer am Anfang des Medizinstudiums sowie die allermeisten Fächer des Informatikstudiums sehr leicht fielen, weil es darin fast nur ums Verstehen ging. 

Doch gerade die Tatsache, dass ich mir bei den naturwissenschaftlichen Fächern am Anfang des Medizinstudiums, vor allem bei der Chemie, offensichtlich um vieles leichter tat als die meisten meiner Studienkollegen und von diesen auch als "naturwissenschaftliches Genie" bezeichnet wurde, gab mir Selbstbewusstsein und das Gefühl, vielleicht doch nicht ganz so dumm zu sein, wie ich vor allem während meiner seelischen Krise nach der Maturareise zu sein geglaubt hatte. Als ich dann in der Zeitschrift "Gehirn und Geist" eine bezahlte Anzeige des Vereins "Mensa in Deutschland" sah, die den Leser ermunterte, einen IQ-Test zu wagen - sinngemäß: "Sie werden sehen, Sie werden besser abschneiden als Sie denken!" -, gab ich mir einen Ruck und suchte im Internet nach der Homepage des österreichischen Mensa-Vereins. Daraufhin schrieb ich den damaligen Interessentenbetreuer der Mensa Österreich, Thomas K., an und bestellte bei ihm den Mensa-Vortest. Diesen bearbeitete ich innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens und schickte meine Lösungen ein. Bald darauf erhielt ich die Nachricht, dass ich laut diesem Vortest intelligenter als 99 Prozent der österreichischen Bevölkerung und somit zum Haupttest eingeladen sei. Auch den Haupttest, in der Wohnung von Sieglinde F., der damaligen Proktorin von Mensa Wien, nahe meinem eigenen Wohnhaus, bestand ich, und so wurde ich im März 2002 stolzes Mitglied von Mensa Österreich. Ich möchte betonen, dass ich mich wirklich nicht speziell auf diesen Test vorbereitet oder zuvor typische Intelligenztest-Aufgaben geübt habe; mir ist aber bekannt, dass manche anderen Mitglieder dies sehr wohl getan haben. 

Zwei Jahre später wollte ich wissen, wie hoch genau nun mein IQ war. Also ging ich zu Dr. Georg Fischhof, dem Gründer und Ehrenpräsidenten von Mensa Österreich, seines Zeichens Betriebspsychologe und Buchautor. Er testete mich gründlich und meinte zum Schluss, ich hätte einen IQ von 145 nach der Skala von Binet, wobei der Mittelwert auf dieser Skala 100 und die Standardabweichung 16 beträgt. Auf der im deutschen Sprachraum üblichen Skala mit einem Mittelwert von 100 und einer Standardabweichung von 15 würde dies etwa einem IQ von 142 entsprechen. Damit wäre ich intelligenter als ca. 99,75 Prozent der österreichischen Bevölkerung, wie ich im Internet nachlesen konnte. Im weiteren Verlauf der Jahre machte ich noch diverse Tests im Internet und erreichte meistens IQ-Werte über 150 (Standardabweichung 15), wobei der häufigste Wert, den ich erhielt, 152 war (damit wäre ich intelligenter als 99,97 Prozent der Bevölkerung, oder anders gesagt: Die intelligentesten 2% der Gesamtbevölkerung können Mitglied von Mensa werden; und ich gehöre zu den intelligentesten 2% all jener, die intelligent genug sind, um Mensa-Mitglied werden zu können). In einem neuartigen, experimentellen IQ-Test, der an etwa 80 - allesamt hochintelligenten - Probanden getestet wurde, war ich sogar so gut, dass der Entwickler dieses Tests, Marco Ripa, meinen IQ auf 172 (Standardabweichung 15) schätzte. Diesen Wert ließ ich dann von Jason Betts in das World Genius Directory eintragen, womit ich einen der dreißig besten Plätze in dieser weltumfassenden Rangliste der Hoch- und Höchstbegabten einnahm. 

Lange Zeit fragte ich mich auch, was es denn nun eigentlich sei, das Intelligenztests messen. Wie definiert man Intelligenz? Nach langem Überlegen kam ich zu dem Schluss, dass zwar verschiedene Tests verschiedene Fähigkeiten überprüfen, aber den meisten Tests zu einem großen Teil das logische Denkvermögen zu Grunde liegt. Offenbar ist das logische Denken meine größte Stärke. Deshalb entwickelte ich dann auch eigene Tests, die speziell dieses logische Denken messen sollten und die von das Ergebnis verfälschenden Faktoren möglichst bereinigt waren. Natürlich sind meine eigenen Tests keine wissenschaftlich standardisierten Intelligenztests, sondern nur eine Spielerei. Aber ich denke mir, dass ich selbst in einem reinen Logiktest wahrscheinlich sogar noch besser als in einem "gewöhnlichen" Intelligenztest abschneiden würde. Sehr früh bin ich auch darauf gekommen, dass mir Matrizentests besonders liegen; ich finde diese wesentlich leichter als solche Tests, in denen erlernte Fähigkeiten wie Rechnen oder die Merkfähigkeit überprüft werden. Meine Merkfähigkeit im Speziellen erachte ich gar nicht für besonders herausragend, ebensowenig mein visuelles Vorstellungsvermögen. Manchmal schneide ich in reinen Merkfähigkeitstests (wohlgemerkt: das sind keine Intelligenztests!) sogar relativ mies ab. Die visuellen Aufgaben, die in dem 2006 in Wien eingeführten Eignungstest für Medizinische Studiengänge vorkommen, liegen mir auch nicht sonderlich. Wahrscheinlich hätte ich in diesen Kategorien ohne intensive Übung nicht besonders gut abgeschnitten, wenn ich diesen Eignungstest hätte machen müssen. Ob sich dadurch gewisse der Probleme erklären lassen, die ich im Medizinstudium hatte, weiß ich allerdings nicht. 

Meine erste Mensa-Veranstaltung besuchte ich jedenfalls noch vor meinem eigenen Beitritt. Das war ein Vortrag mit anschließender Diskussion im Bierbeisl Hopfenstange, das Thema war Parapsychologie. Ich erinnere mich noch, dass ich mich - obwohl nicht als Erster gekommen - direkt gegenüber den Vortragenden gesetzt hatte und während des Vortrags eine Ausgabe der Vereinszeitschrift DISKUSSION las, die dort lag. Dabei fiel mir eine Illustration auf, die eine Euro-Münze zeigte, wobei Schweden und Norwegen vertikal gespiegelt dargestellt waren, so dass die Umrisse dieser Länder der Form nach an ein männliches Geschlechtsteil erinnerten. Nach dem Vortrag sprach mich einer der damaligen Funktionäre von Mensa, Franz W., an, und bot mir an, mir diese Illustration per E-Mail zuzuschicken. Er wünschte mir auch Erfolg im Aufnahmetest. 

Ich glaube, auch die nächsten Mensa-Veranstaltungen, die ich besuchte, waren Vortragsabende. Aber bald begann ich, auch zu den Spieleabenden zu gehen. Zuerst hatte ich eine gewisse Hemmung, meine Zeit mit solchen Dingen zu vergeuden, weil ich vermittelt bekommen hatte, dass Spielen infantil wäre. Die Beschäftigung mit Spielen würde ja weder zu meinem Studienerfolg noch zur Erweiterung meiner Allgemeinbildung beitragen. Doch bald änderte ich meine Meinung, weil es tatsächlich Spaß machte, mit intelligenten Leuten - allesamt Erwachsenen, die meisten sogar deutlich älter als ich - Gesellschaftsspielen nachzugehen. Soweit ich mich erinnern kann, war das erste Spiel, das ich beim Mensa-Spieleabend kennenlernte, RoboRally. Das war eines der Lieblingsspiele von Christian R., der damals für die Spieleabende verantwortlich war. Wir trafen einander zum Spielen jeden Monat im Restaurant Winter in der Alser Straße, nicht weit von der Medizinischen Universität entfernt und daher für mich gut erreichbar. Auch die Vortragsabende fanden jeden Monat statt, beide Veranstaltungsarten jeweils montags. 

Zum Mensa-Cafe, der dritten monatlichen Veranstaltung der Lokalgruppe Wien, ging ich erst später. Das erste Mal, als ich dort war, fand es noch im Parkhotel Schönbrunn statt. Ich war ganz erstaunt, wie herzlich die Mensa-Mitglieder dort miteinander umgingen. Für mich erweckte das Mensa-Cafe beinahe den Eindruck einer Kuschelrunde. Alle waren in Harmonie miteinander verbunden, spendeten einander Trost bei der Bewältigung der Herausforderungen des Lebens und lobten einander für ihre Leistungen. Da war ich richtig baff. So etwas hatte ich gar nicht erwartet. Später fanden die Cafe-Veranstaltungen im Cafe Schottenring statt, auch nicht allzu weit von meiner Uni entfernt, aber samstags, wo ich ohnehin keine Lehrveranstaltungen hatte, so dass das gar keine Rolle gespielt hätte. Es kamen immer wieder neue Leute, manche auch nur ein einziges Mal, aber einige blieben und waren über Jahre immer wieder beim Mensa-Cafe dabei. Insgesamt gab es einen harten Kern von etwa zwanzig Personen, die regelmäßig kamen. Diese Leute lernte ich auf diese Weise recht gut kennen. 

Ab dem Jahr 2004 gab es auch ein Forum für österreichische Mensa-Mitglieder im Internet, und ich wurde einer der aktivsten Nutzer dieses Forums. Leider war ich nicht bei allen Teilnehmern beliebt, was vor allem daran lag, dass meine Themen nicht jeden interessierten. Zudem gab es, trotz der hohen Intelligenz, die allen gemein war, gewisse Unterschiede zwischen den Mitgliedern. Nicht jeder war, wie ich, Student oder Akademiker. Manche hatten auch nur eine Berufsausbildung abgeschlossen und waren primär am Geldverdienen interessiert; sie waren gar nicht bemüht, ihren geistigen Horizont durch Bildung zu erweitern. Einer war von Beruf Kellner und hatte Probleme, meinen Gedanken zu folgen, weil ich so viele Fremdwörter benutzte (wohlgemerkt unwillkürlich); er warf mir vor, absichtlich geschwollen zu sprechen, um ihn zu ärgern. Aber insgesamt überwogen die Vorteile, die ich durch den Verein Mensa hatte. 

Mensa brachte, wie gesagt, auch eine eigene Zeitschrift heraus, zu der ich im Laufe der Jahre einige Artikel beisteuerte. Einmal im Jahr gab es zudem ein Jahrestreffen, genannt Charming, immer in einem anderen österreichischen Bundesland. Zweimal war ich dabei, nämlich in den Jahren 2003 (Steiermark) und 2005 (Oberösterreich). Aber am Charming störte mich persönlich, dass das Programm mehr oder weniger fix vorgegeben war und man kaum Gelegenheit hatte, frei durch die Gegend zu wandern und sich mit dem zu beschäftigen, was man selbst interessant fand. Deswegen nahm ich nach meinem zweiten Charming nicht mehr an weiteren Veranstaltungen dieser Art teil. 

Einige Zeit war ich auch regelmäßiger Teilnehmer des Rätselwettbewerbs, und einmal erreichte ich in der Jahreswertung den fünften Platz, was angesichts der starken Konkurrenz durch lauter hochintelligente Wettbewerbsteilnehmer sicherlich eine beachtliche Leistung war. Bei einem Denksport-Turnier im Rahmen eines Mensa-Treffens wurde ich (nach Christian) sogar Zweiter. 

Auch außerhalb der Mensa, vor allem auf der Uni, lernte ich einige herausragende Menschen kennen. Unter anderem war ich mit vier Studierenden persönlich bekannt, die später unter den Auspizien des Bundespräsidenten promoviert wurden, was unter anderem einen perfekten Notendurchschnitt erforderte. Drei davon waren Mediziner und einer Informatiker. Ich kannte auch das "Wunderkind" Marian Kogler persönlich, der im Alter von 17 Jahren jüngster Diplomingenieur Österreichs wurde. Aber dieser Personengruppe ist vor allem gemein, dass sie besondere Leistungen in Schule und Studium erbracht hat. Ob dies das Entscheidende bei der Beurteilung einer Person sein sollte, ist fraglich. An der Mensa selbst sieht man jedenfalls gut, dass Hochbegabung, also Hochintelligenz, nicht mit Hochleistung in Schule oder Studium gleichzusetzen ist. Viele Mensa-Mitglieder waren nur durchschnittliche Schüler und Studenten. Und ich weiß nicht, wer mir als Mitarbeiter (oder gar als Vorgesetzter) lieber wäre: ein sehr intelligenter, aber arroganter und unfreundlicher Musterschüler oder ein ebenfalls sehr intelligenter, gleichzeitig aber auch freundlicher und bescheidener, wenngleich den Noten nach vielleicht nicht allzu herausragender Mensch, der aber das, was man von ihm erwartet, gut kann. Tatsache ist, dass manche Betriebe (seien sie wissenschaftlicher Natur oder auch nicht) bei der Auswahl der Mitarbeiter sehr auf die Noten achten. Aber vielleicht sind gerade diese Betriebe diejenigen, bei denen man eigentlich nur ungern arbeiten möchte. 

Rückblick auf meine Studienzeit

Jörg Guido Hülsmann schreibt in seiner Mises-Biografie "The Last Knight of Liberalism", dass die Wiener jüdischen Kinder des frühen 20. Jahrhunderts zwar immer brav ihre Schulaufgaben erledigt hätten, ihre eigentliche Bildung aber vor allem in ihrer Freizeit, außerhalb der Schule, erfolgt sei, als sie die Gelegenheit hatten, ihren eigentlichen Interessen nachzugehen: Theater, Oper, Literatur, Wissenschaft, Kunst. Genau so war es auch bei mir. Die Uni war zwar das Primäre, mein Bestreben galt hauptsächlich dem Fortkommen im Studium, aber mit den Dingen, die mich wirklich interessiert haben, habe ich mich vor allem in meiner Freizeit beschäftigt. 

Man könnte sagen, nach dem Motto "Mensa statt Mensur" bin ich keiner traditionellen Studentenverbindung beigetreten, sondern habe mein Bedürfnis nach sozialen Kontakten vor allem durch die Mitgliedschaft im Hochintelligentenverein Mensa befriedigt. In den Foren der Mensa habe ich gelernt, meine Argumentationskraft zu schärfen, und vor allem meine Schüchternheit, die mich in meinen Schultagen charakterisiert hatte, abgelegt. Für meine Persönlichkeitsentwicklung hatten also meine Freizeitaktivitäten noch größere Bedeutung als mein Studium. 

Selbst an der Uni Fuß zu fassen, gelang mir freilich nicht. Das Interesse der Professoren an begabten Studierenden als Mitarbeiter an Forschungsprojekten war weit weniger ausgeprägt, als ich aufgrund der medialen Propaganda vermutet hatte. Die Uni hatte meine Erwartungen an sie nicht erfüllt. Dennoch bin ich meinen almis matribus natürlich in Dankbarkeit verbunden. Ihnen verdanke ich wenigstens meine akademischen Grade, die für die gesellschaftliche Anerkennung in diesem Lande eine bedeutende Rolle spielen. Das Masterstudium der Informatik (Computational Intelligence) habe ich sogar mit Auszeichnung abgeschlossen, freilich ohne jemals empfunden zu haben, dass ich mich dafür besonders angestrengt hätte. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut, zeigt es doch, dass nicht nur ich selbst mich für fachlich gut halte, sondern auch meine Professoren an der TU Wien dieser Meinung sind. 

Hochschulpolitik

Bis zu meiner Matura hatte ich mich nicht politisch engagiert. Das sollte sich nach der Matura ändern. 

Ich war an Politik insofern interessiert, als ich regelmäßig Zeitung las. Zudem war Politik eines der Hauptinteressensgebiete meines Vaters, und er sprach bei jeder Gelegenheit sehr gerne über seine Ansichten und seine Analysen aktueller politischer Probleme. Das weckte in mir das Verlangen, Politik von innen kennen zu lernen. Da in den Medien viel über die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) berichtet wurde, beschloss ich mich, nach Beginn meines Studiums im Jahr 2001 dort zu engagieren. 

Da ich mich für ein Medizinstudium entschieden hatte, kamen natürlich nur jene Fraktionen in Betracht, die an der Medizinischen Fakultät vertreten waren. Wie ich bald herausfand, war de facto nur eine einzige Fraktion von Bedeutung: die Österreichische Medizinerunion (ÖMU). Sie hatte seit 1945 immer die Exekutive an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien gestellt. Ich war daher der Meinung, es hätte keinen Sinn, sich in einer anderen Fraktion zu engagiert. Ein Parteisoldat war ich ja nicht, ich wollte vielmehr etwas für die Studierenden erreichen und mithelfen, die Studienbedingungen zu verbessern. Also ging ich zur ÖMU. 

Wie ich genau zur ÖMU kam: Einzelne Mitglieder der ÖMU hielten in den Sommerferien und am Anfang des Wintersemesters Veranstaltungen ab, die darauf abzielten, Studienanfängern den Einstieg ins Studium zu erleichtern. Im Rahmen dieser Tutorien lernte ich Claus H. kennen, ein Mitglied der ÖMU. Ich befragte ihn zunächst über alle möglichen Fraktionen der ÖH. Am Ende lud er mich jedenfalls ein, an einer Sitzung der ÖMU teilzunehmen. Diese Sitzungen ("Jour fixe") fanden jeden Montag ab 18 Uhr in den Räumlichkeiten der Fakultätsvertretung Medizin auf Ebene 6M im Wiener AKH statt. 

Also ging ich dort hin. Unterwegs begegnete ich einer Mitarbeiterin der ÖMU und fragte sie, wie stark die ÖMU denn der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) nahestünde. Sie meinte, die ÖMU sei parteiunabängig, und es sei auch egal, ob man Katholik sei oder einer anderen beziehungsweise gar keinen Religion angehörte. Das ermutigte mich, es mit der ÖMU zu versuchen. Nach der Sitzung, an die ich mich nicht im Detail erinnern kann (ich weiß nur, dass ungefär zehn Leute anwesend waren, eben der harte Kern der Fraktion), sprach ich mit Kurt R., dem damaligen Vorsitzenden der ÖMU, den ich ebenfalls schon einmal in einer Veranstaltung für Studienanfänger gesehen hatte. Es stellte sich heraus, dass er mich für den Partner der Mitarbeitern gehalten hatte, der ich unterwegs begegnet war. Ich klärte ihn über das Missverständnis auf, erklärte, dass ich Student im ersten Semester und an einer Mitarbeit in der ÖH interessiert war, und Kurt R. lud mich daraufhin ein, ich möge doch öfters vorbeisehen. 

Noch gut kann ich mich erinnern, dass ich bald darauf mitgeholfen habe, Plakate im Hof des Anatomischen Instituts zu kleben, in denen für ein Fest geworben wurde, das von der ÖMU mitorganisiert wurde. Bei dieser Gelegenheit wollte ich, der nie zuvor etwas mit der ÖVP oder irgendeiner ÖVP-nahen Organisation zu tun gehabt hatte, mich noch einmal versichern, ob denn das Klischee stimmt, dass ÖVPler sehr religiös seien. Ich Naivling stellte also die Frage: "Geht ihr jeden Sonntag in die Kirche?" Zwei ÖMUler waren anwesend, Christian D. und der Vorsitzende Kurt R. Zuerst meinte Christian D. zögerlich: "Naja..." Daraufhin Kurt R.: "Aber freilich! Du etwa nicht? Dann passt du nicht zu uns! Wir sind katholisch!" Soviel also zu der von der anderen Mitarbeiterin getätigten Aussage, es wäre in der ÖMU egal, welcher Religion man angehöre. 

Dennoch wurde ich in der ÖMU toleriert. Ich nahm regeläßig, jede Woche, an den Sitzungen teil (die meistens sehr langweilig waren; ich hatte mir Anderes erwartet, nämlich anregende politische Debatten), fuhr auch zu Wochenend-Seminaren nach Niederösterreich mit und saß einmal neben Kurt R. auf dem Beifahrersitz. Er erzählte mir, dass er aus einer hochpolitischen Familie stamme und sein Großvater Minister gewesen sei. Auf meine Nachfrage meinte er aber, selbst an einem Ministeramt nicht interessiert zu sein. 

Trotz allem blieb ich stets an der Peripherie der ÖMU. Ich war zwar regelmäß bei den abendlichen Sitzungen und verfasste ab und zu auch Artikel für die Österreichische Mediziner Zeitung, die offizielle Publikation der ÖMU, die allen Medizinstudenten der Uni Wien per Post zugestellt wurde. Aber so richtig akzeptiert fühlte ich mich nicht, und das hängte sicher damit zusammen, dass ich eben kein ÖVPler, kein CVer (die Führungsspitzen der ÖMU waren auch Mitglied beim CV, dem so genannten Österreichischen Cartellverband, einem hierzulande sehr einflussreichen katholisch-konservativen Karriere-Netzwerk) und nicht einmal Katholik war. Zudem war ich auch nicht bereit, vormittags vom Besuch von Vorlesungen abzusehen, um in dieser Zeit Beratungstätigkeiten für die ÖH durchzuführen; mein Studium hatte für mich eben Priorität. 

Im Laufe der Jahre sah ich zahlreiche andere Leute der ÖMU beitreten und rasch innerhalb der Vereinshierarchie aufsteigen, was mir nie gelang. Ein Studienkollege, mit dem ich viel zu tun hatte (er hatte im gleichen Semester zu studieren begonnen und überwiegend die gleichen Vorlesungen besucht), stieß etwa ein halbes Jahr nach mir zur ÖMU und wurde innerhalb von zwei Jahren Nachfolger von Kurt R. als Obmann der ÖMU. Um Karriere machen zu können, ließer sich extra katholisch taufen, denn die Taufe ist Grundvoraussetzung, um dem CV beitreten zu dürfen. Zu diesem Schritt war ich nie bereit. Für mich ist es wichtiger, mit mir selbst im Reinen zu sein, als große Karriere zu machen. Wenn ich als CV-Mitglied dem Papst, also einem Oberhaupt eines fremden Staates, ewige Treue hätte schwören müssen, hätte mir das Gewissensbisse bereitet, die schwerer gewogen hätten als die durch meine Nichtmitgliedschaft bedingte Unmöglichkeit, meine ehrgeizigen Karriereziele zu erreichen. 

Nun begab es sich, dass ich im Internet auf eine Web-Seite aufmerksam gemacht wurde, die sich mit dem klassischen Liberalismus beschäftigte. Begeistert las ich über diese Weltanschauung, beteiligte mich als Übersetzer englischer Texte selbst an der Weiterentwicklung dieser Web-Seite und diskutierte im an diese Web-Seite angeschlossenen Forum mit. Das war das, was ich mir eigentlich von der ÖH erwartet hatte: politische Diskussionen statt Parteisoldatentum. 

Wieder einige Jahre später stieß ich in Facebook auf diverse liberale Gruppen, darunter auch Gruppen des Liberalen Forums, einer österreichischen politischen Partei, und der Jungen Liberalen (JuLis), einer Fraktion der ÖH, die damals dieser Partei nahestand und später eigene Wege ging. Auch wenn ich kein Interesse daran hatte, Parteisoldat zu werden, fühlte ich mich bei den Treffen beider Organisationen so wohl, dass ich schließlich einen Antrag auf Mitgliedschaft bei den Jungen Liberalen stellte. Dieser Antrag wurde angenommen. Gleichzeitig trat ich natürlich aus der ÖMU aus, weil die Statuten der Jungen Liberalen eine Doppelmitgliedschaft bei zwei miteinander konkurrierenden politischen Organisationen nicht vorsahen. Zum damaligen Zeitpunkt war ich in der ÖMU schon längere Zeit nicht aktiv gewesen, und der damalige ÖMU-Vorsitzende, Stefan K., hatte sich sogar erdreistet, mir deswegen den Zugang zum ÖMU-internen Forum in der Mailbox "Reflex" abzudrehen. Da hätte ihn mein Austritt also gar nicht überraschen dürfen. 

Bei den Jungen Liberalen war ich von 2009 bis 2013 Mitglied. Als die ÖH-Wahlen 2011 anstanden, gab es noch nicht so viele Mitglieder, vor allem nicht an der Medizinischen Universität Wien, und so wurde ich gebeten, ich möge doch als Spitzenkandidat fungieren. Diesem Gesuch gab ich statt und wurde somit Spitzenkandidat einer Fraktion für die Universitätsvertretung, was mir wohl niemals gelungen wäre, wenn ich bei der ÖMU geblieben wäre. Außerdem wurde ich auf die Liste der Kandidaten für die Universitätsvertretung der TU Wien gesetzt. In den Wahlen erreichten wir an beiden Unis etwa fünf Prozent der Stimmen (an der Medizinischen Universität aus dem Stand, weil wir bei den vorangegangenen Wahlen gar nicht auf dem Stimmzettel gestanden hatten). An der TU reichte das bereits für ein Mandat aus. So wurde Roland B., der Spitzenkandidat an der TU, Hauptmandatar und ich auf seinen Wunsch sein Ersatzmann. Da Roland B. aber die meiste Zeit im Ausland weilte, war de facto ich derjenige, der die Jungen Liberalen von 2011 bis 2013 an der TU Wien vertrat. 

So lernte ich also das Leben als "Abgeordneter" kennen. Die Sitzungen der Universitätsvertretunf der TU Wien waren immerhin interessanter als die Sitzungen der ÖMU, an denen ich jahrelang teilgenommen hatte. 

Nun ist freilich Liberalismus ein dehnbarer Begriff, der Raum für verschiedene Interpretationen lässt. Im Zuge des ÖH-Wahlkampfs 2013 kam ich darauf, dass die Deutung des JuLis-Vorsitzenden-Pärchens Nikolaus S. und Claudia G. nicht unbedingt mit meiner eigenen deckungsgleich war. Für mich stehen in erster Linie die Freiheit des Individuums und die Selbstverwirklichung im Vordergrund. Den Parteivorsitzenden hingegen lag offenbar vor allem die Einführung von (beliebig hohen) Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen zum Studium am Herzen. Damit konnte ich mich nicht identifizieren. Nachdem ich dann nach jeder einzelnen kritischen Äußerung auf Facebook einen Anruf vom Generalsekretär der JuLis bekam, reichte es mir, und ich gab meinen Austritt aus diesem Verein bekannt. Per Juli 2013 wurde ich somit politisch wieder völlig unabhängig. 

(Fortsetzung folgt...) 

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