Mein Selbstbild im Medizinstudium
Um mich richtig zu verstehen, muss man bedenken, dass ich immer, von der ersten Klasse Volksschule bis zur Matura, Vorzugsschüler war und die Matura sogar mit 1,0 bestanden habe. Natürlich wollte ich, dass es im Studium so weiter geht. Das war auch einer der Gründe, warum ich mich anfangs dagegen gesträubt habe, dem Wunsch meines Vaters zu folgen und Medizin zu studieren. Aber dann habe ich es doch getan und auf alle Teilprüfungen zum Ersten Rigorosum des ersten Studienjahres (Chemie, Physik und Biologie) einen Einser geschrieben. Doch dann kam die Anatomie und machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich war verzweifelt: Ich lernte wie immer, bekam aber keinen Einser. Was war los? Und da fing ich an, mir etwas auf meinen Intelligenzquotienten einzubilden. Wenn ich schon nicht der beste Student bin, dann bin ich zumindest der mit dem höchsten Intelligenzquotienten. Vielleicht wird man mich nach dem Studium trotz der mittelmäßigen Noten nehmen und ich schließlich den Nobelpreis bekommen.
Damals wusste ich aber noch nicht, dass an der Medizinischen Universität Wien in erster Linie das Religionsbekenntnis zählt und Absolventen, die nicht römisch-katholisch sind, kaum eine Chance auf eine Anstellung haben.
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