Karl Popper über Hegel
Karl Popper über Hegel:
Hegel, die Quelle des gesamten zeitgenössischen Historizismus, war ein direkter Nachfolger von Heraklit, Platon und Aristoteles. Hegel konnte Wunder wirken. Für einen logischen Hexenmeister wie ihn war es ein Kinderspiel, mit Hilfe seiner zauberkräftigen Dialektik wirkliche, physische Kaninchen aus rein metaphysischen Zylindern herauszuholen. So gelang es ihm, ausgehend von Platons Timaios und seinem Zahlenmytizismus, mit rein philosophischen Methoden zu beweisen (114 Jahre nach den Principia Newtons!), daß die Planeten sich nach Keplers Gesetzen bewegen müssen. Es gelang ihm sogar, die wirkliche Position der Planeten herzuleiten und dadurch zu beweisen, daß sich kein Planet zwischen Mars und Jupiter befinden könne (unglücklicherweise war es seiner Aufmerksamkeit entgangen, daß ein solcher Planet wenige Monate vorher entdeckt worden war). Auf gleiche Art bewies er, daß die Magnetisierung das Gewicht des Eisens vermehrt, daß die Newtonischen Theorien der Trägheit und der Gravitation einander widersprechen (er konnte natürlich nicht vorhersehen, daß Einstein die Identität der trägen und schweren Masse zeigen würde) und viele andere Dinge mehr. Daß eine so überraschend fruchtbare philosophische Methode ernst genommen wurde, kann durch die Zurückgebliebenheit der deutschen Naturwissenschaft jener Tage nur zum Teil erklärt werden. Denn die Wahrheit sceint mir die zu sein, daß redliche Männer, wie Schopenhauer oder J. J. Fries, und vor allem jene Wissenschaftler, die, wie Demokrit, "lieber ein einziges Kausalgesetz finden als König von Persien sein würden", Hegel zunächst gar nicht ernst nahmen.
(Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Band 2)
Hegel - was für ein Scharlatan! Und darauf gründete Marx seine Philosophie...
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