Bilanz nach fast 42 Jahren
Bald werde ich 42 Jahre alt, stehe also in der Mitte meines Lebens, wenn man davon ausgeht, dass ich das landesübliche Alter erreichen werde - vielleicht habe ich die Mitte meines Lebens bereits überschritten. Zeit für eine Bilanz.
Mein Vater war sehr fortschrittsfreundlich, was Wissenschaft und Technik betraf. Diese Einstellung habe ich von ihm geerbt. Leider läuft der Fortschritt in der Realität viel langsamer ab, als wir es gerne hätten. Insbesondere das gesellschaftliche Klima ist eher fortschrittsfeindlich eingestellt. Im Medizinstudium wurden wir nicht gefördert, sondern ausgelesen. Wir wurden nicht als potenzielle Weltverbesserer betrachtet, sondern als Störenfriede. Man musste sich durchkämpfen. Selbst wenn man das Studium geschafft hat, ist man nicht mit offenen Armen empfangen worden. Die Selektion nach dem Studium empfand ich sogar als noch brutaler, weil es nur mehr auf Sympathie und nicht mehr auf objektiv messbare Kriterien ankam.
Immerhin habe ich es auf einige Publikationen gebracht. Geld habe ich dafür zwar keines bekommen, aber da ich gut programmieren kann, ist es mir gelungen, in der IT-Industrie unterzukommen und wenigstens auf diese Weise ein regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften. Finanzielle Sorgen werde ich mir wohl nie machen müssen, außer in dem Fall, dass es zu einer Rekordinflation kommen sollte, die meine Ersparnisse wegfrisst.
An sich geht es mir sehr gut. Und ich glaube, dass das das Wichtigste ist. Man muss nicht unbedingt Großartiges im Leben leisten. Es ist besser, nach Glück als nach Erfolg zu streben.
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