Österreich - ein faschistisches Land?
Mir geht die Äußerung meiner Englischlehrerin nicht aus dem Kopf, dass mir die "menschlich-soziale Reife" fehle. Ich glaube, dass ich das noch nicht ausreichend analysiert habe.
Damit kann sie eigentlich nur gemeint haben, dass ich mich nicht an die Gesellschaft angepasst habe. Das ist auch richtig so. Es ist aber auch nicht mein Ziel, angepasst zu sein. Sondern ich möchte mich als Individuum selbst verwirklichen. Diejenigen, die von mir verlangen, dass ich mich an sie anpasse, betrachte ich als meine Feinde.
Diese Äußerung meiner Englischlehrerin, getätigt nach der Matura, zeigt eigentlich nur, was für ein Geist an unserem Gymnasium herrschte. Zwar sprach dieselbe Lehrerin im Unterricht hin und wieder von Individualismus, aber im Prinzip war auch sie eine kleinbürgerliche, an den Geist des Nationalsozialismus erinnernde Gestalt, die alles ablehnte, was "anders" war.
Ich habe in den letzten sechs Schuljahren in meiner Freizeit den Hugi herausgegeben und sicherlich mindestens 20 Stunden pro Woche daran gearbeitet. Das alles habe ich vor meinen Lehrern geheimgehalten, weil ich wusste, dass sie das nicht gutheißen würden. Wenn ich offengelegt hätte, womit ich meine Freizeit verbracht habe, hätte ich Strafaufgaben oder schlechtere Noten bekommen. Auch hätten dann meine Lehrer den Hugi gelesen und versucht, auf seinen Inhalt Einfluss zu nehmen.
Ich habe Österreich immer als faschistisches Land erlebt. Später, im Medizinstudium, in ganz besonderem Maße. Die Medizin ist diktatorisch organisiert. Wer auffällt, fliegt. Ich wurde unter anderem deswegen benachteiligt, weil ich nicht katholischen Glaubens, sondern konfessionslos bin.
Diese Sache mit der Religion könnte durchaus einer der Gründe sein, warum ich aus dem Rahmen falle. Als ich meinem Lateinlehrer, der jetzt an der Sir-Karl-Popper-Schule für Hochbegabte unterrichtet, die Frage stellte, warum an der Medizinischen Universität Wien hauptsächlich Mitglieder des Österreichischen Cartellverbands eine Anstellung bekommen (um Mitglied des Cartellverbands zu werden, muss man katholisch getauft sein), meinte er lapidar, es komme eben auch auf "das Soziale" an.
Ich fühle mich verarscht!
Jedenfalls ist Österreich definitiv keine liberale Demokratie, weder politisch noch gesellschaftlich. Das Zusammenleben in Österreich entspricht keineswegs meinen Vorstellungen. Wie gesagt, betrachte ich diejenigen, die von mir wollen, dass ich mich anpasse, als meine Feinde.
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