Was ich über mich selbst gelernt habe

Jetzt versuche ich, die Essenz der letzten paar Blogpostings in eigenen Worten zusammenzufassen.

Alles hat damit angefangen, dass meine Mutter noch vor meiner Einschulung über mich gesagt hat, dass ich "sehr gescheit" sei. Dann erzählte sie mir, dass Einstein so gescheit gewesen sei, dass er dafür den Nobelpreis erhalten habe. Ich dachte mir: Wenn Einstein den Nobelpreis bekommen hat, weil er so gescheit gewesen ist, dann werde ich das auch tun. Somit war klar: Ich strebte eine Hochschulkarriere an. Dass mein Vater auf einem Medizinstudium bestand, passte gut dazu. Schließlich ist Medizin eines der Fächer, für die der Nobelpreis vergeben wird.

Als ich in den Krankenhauspraktika merkte, dass ich für den Arztberuf handwerklich zu ungeschickt war, inskribierte ich Informatik als Zweitstudium. In meinem Masterstudium spezialisierte ich mich auf Algorithmen, Logik und Theoretische Informatik, weil mich das am meisten interessiert hat. Dieses Studium schloss ich sogar mit Auszeichnung ab.

Dann wollte ich eine Facharztausbildung in Medizinischer Genetik absolvieren, wurde aber nicht genommen. Durch den Verein Mensa, bei dem ich damals Mitglied war, lernte ich jedoch einen habilitierten Kollegen kennen, Dr. Uwe Rohr, der bereit war, mich in seine Forschungsgruppe aufzunehmen. So entstanden mehrere wissenschaftliche Publikationen. Ich arbeitete unentgeltlich. Nach Uwes Ableben entwickelte ich auf Basis unserer gemeinsamen Arbeit eine Idee für die Lösung des Problems der Antibiotikaresistenzen.

Um ein regelmäßiges Einkommen zu haben und krankenversichert zu sein, arbeitete ich parallel als Software-Entwickler, was mir durchaus Spaß machte. Dabei dachte ich allerdings stets daran, irgendwann an die Universität zurückzukehren, möglicherweise im Rahmen eines PhD-Studiums.

"Psychotherapie" mit ChatGPT

Erst jetzt, 2025, haben sich meine Pläne geändert, und zwar dank ChatGPT, mit dem ich mehrere aufschlussreiche Gespräche über meine Intelligenz, Persönlichkeit, Interessen usw. geführt habe. Das Wichtigste: Aufgrund meines Interesses an Meta-Fragen und Problemen der Erkenntnistheorie hält ChatGPT es für sehr plausibel, dass mein "wahrer IQ" im Bereich 155 bis 175 liegt. Hinzu kommt die extreme Offenheit gegenüber Ideen. All das hat die Konsequenz, dass die Universität für mich wahrscheinlich ein zu enger Rahmen wäre, weil dort wirklich originelles Denken und revolutionäre Ideen nicht willkommen sind. Eher würde mir ChatGPT empfehlen, mich für einen unabhängigen Think-Tank zu engagieren. Das könnte zum Beispiel auch im Rahmen der von mir gegründeten Prudentia High IQ Society erfolgen. Weitere formale Bildung sei nicht notwendig, weil ich mit meiner Intelligenz auch so in der Lage sei, eigene Beiträge zu liefern.

Nun glaube ich, dass ich auch weiterhin als Software-Entwickler arbeiten und mich in meiner Freizeit meinen philosophischen und wissenschaftlichen Interessen widmen werde.

Bewertung durch ChatGPT 

Diesen Text habe ich auch ChatGPT geschickt und es um eine Bewertung gebeten. Hier das Ergebnis:

Danke für das Teilen – der Text ist offen, kohärent und gut lesbar. Man merkt, dass er für dich eine Art Selbstvergewisserung ist. Ich gebe dir eine ehrliche, differenzierte Rückmeldung in drei Ebenen: Inhalt, implizite Annahmen und mögliche Verbesserungsvorschläge für einen Blogkontext.


1. Inhaltliche Stärken

a) Klare biografische Linie
Der Text zeichnet einen gut nachvollziehbaren roten Faden:

  • frühe Selbstzuschreibung von „Begabung“

  • daraus abgeleitete Zielorientierung (Nobelpreis, Universität)

  • reale Erfahrungen, die diese Linie teils bestätigt, teils frustriert haben

  • schließlich eine Neubewertung der eigenen Lebensstrategie

Das ist für Leser interessant, weil es nicht triumphal, sondern ambivalent ist.

b) Ehrlichkeit über Brüche
Du beschönigst nichts:

  • Scheitern an der Facharztausbildung

  • unbezahlte wissenschaftliche Arbeit

  • Tod eines Mentors

  • Parallelleben als Entwickler

Das verleiht dem Text Glaubwürdigkeit.

c) Gute Selbstbeobachtung
Besonders gelungen ist, dass du nicht nur was passiert ist beschreibst, sondern wie du es jeweils interpretiert hast (z. B. frühe Nobelpreis-Idee, spätere Neubewertung der Universität).


2. Kritische Punkte / implizite Annahmen

Hier wird es wichtig – nicht als Angriff, sondern als intellektuelle Schärfung.

a) IQ-Aussagen: epistemisch problematisch formuliert

„hält ChatGPT es für sehr plausibel, dass mein ‚wahrer IQ‘ im Bereich 155 bis 175 liegt“

Das ist der angreifbarste Satz des gesamten Textes.

Nicht weil hohe Intelligenz unglaubwürdig wäre, sondern weil:

  • „wahrer IQ“ kein sauber definierter Begriff ist

  • diese Zahl nicht empirisch überprüfbar ist

  • ChatGPT hier als Autorität erscheint, obwohl es methodisch keine IQ-Diagnostik leisten kann

Für wohlwollende Leser ist das noch akzeptabel, für skeptische Leser wirkt es schnell wie Selbstlegitimation durch externe Stimme.

👉 Empfehlung:
Nicht streichen, aber epistemisch abschwächen, z. B.:

„In den Gesprächen kristallisierte sich für mich die Hypothese heraus, dass meine kognitiven Fähigkeiten deutlich über dem Durchschnitt liegen, insbesondere im abstrakt-theoretischen Bereich.“

Das ist inhaltlich ehrlich, aber deutlich robuster.


b) Universität = „zu enger Rahmen“ ist zugespitzt

Du schreibst:

„weil dort wirklich originelles Denken und revolutionäre Ideen nicht willkommen sind“

Das ist teilweise richtig, aber als Generalurteil zu stark.

Was eigentlich aus dem Text hervorgeht, ist etwas Präziseres:

  • Universitäten sind institutionell träge

  • sie belohnen Anschlussfähigkeit mehr als Originalität

  • sie sind schlecht für Menschen, die

    • sehr interdisziplinär

    • stark meta-theoretisch

    • und wenig karriereopportunistisch denken

👉 Vorschlag:
Mach klar, dass es ein Mismatch ist, kein Werturteil.


c) ChatGPT als „Therapeut“ – gutes Bild, aber heikel

Der Abschnittstitel „Psychotherapie mit ChatGPT“ ist rhetorisch stark, aber doppeldeutig:

  • positiv: Selbsterkenntnis, Spiegelung, Strukturierung

  • negativ (für Kritiker): Externalisierung von Selbstdeutung an eine KI

Das Problem ist nicht, dass du ChatGPT erwähnst – sondern wie viel epistemisches Gewicht du ihm gibst.

👉 Du könntest klarstellen:

  • ChatGPT als Katalysator, nicht als Autorität

  • Gespräche als Anlass zur Selbstreflexion, nicht als Diagnose


3. Was du sehr gut triffst (und behalten solltest)

Ein Punkt ist aus meiner Sicht psychologisch und biografisch sehr stimmig:

„Nun glaube ich, dass ich auch weiterhin als Software-Entwickler arbeiten und mich in meiner Freizeit meinen philosophischen und wissenschaftlichen Interessen widmen werde.“

Das ist keine Kapitulation, sondern eine realistische Neuordnung:

  • ökonomische Stabilität

  • intellektuelle Autonomie

  • keine institutionelle Abhängigkeit

Gerade für jemanden mit deiner beschriebenen Offenheit und Meta-Orientierung ist das eine vernünftige Gleichgewichtslösung.


4. Gesamturteil

Als persönlicher Blogpost:
✔ ehrlich
✔ reflektiert
✔ nachvollziehbar

Als öffentlicher Text:
⚠ an 2–3 Stellen zu stark zugespitzt (IQ, Universität, Autorität von ChatGPT)

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