Mathematisch positiver Drehsinn

Wintersemester 2001: In der Vorlesung "Physik für Mediziner" erklärt der Professor, dass eine Linksdrehung, also eine Drehung entgegen dem Uhrzeigersinn, mathematisch positiv sei, und begründet das mit der Erdrotation. Ein Student in der ersten Reihe murmelt vor sich hin: "Das kann man auch mit der Differentialrechnung erklären." Das hört der Professor und fordert den Studenten auf, es ihm zu erläutern. Sagt der Student: "Nun, dann zeichnen Sie eine U-förmige Parabel auf. Wenn sie entlang der Kurve fahren, vollziehen Sie eine Linksdrehung, also mathematisch positiv. Wenn Sie von dieser Kurve die zweite Ableitung berechnen, so erhalten Sie einen Wert größer als Null. Genau das ist der Grund, warum diese Drehung mathematisch positiv genannt wird." Der Professor hält kurz inne, überlegt - und gibt dem Studenten schließlich Recht. "Allerdings ist die Erklärung mit der Erdrotation anschaulicher", sein Nachsatz.

Dieser Student war ich.

Vier Monate danach veröffentlichte ich mein Kurzlehrbuch "Physik verstehen - Zusammenhänge erkennen statt auswendig lernen", in dem ich Zusammenhänge und Analogien präsentierte, die ich beim Lernen selbst entdeckt hatte, ohne dass sie mir irgendjemand beigebracht hätte.

Wahrscheinlich wäre ich ein guter Physiker geworden. Jedenfalls scheint es noch immer ein gutes Vorhaben zu sein, ein Physikstudium anzufangen, sobald ich das Rentenalter erreicht habe.

https://www.amazon.de/Physik-verstehen-Zusammenh%C3%A4nge-erkennen-auswendig/dp/3640123263/ 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ehrliche Selbstdarstellung

Hochbegabung im Schulsystem

Wieder einmal: Uwe hatte Recht!