Warum ich so schüchtern bin
Menschen, die mit mir in persönlichem Kontakt standen, beschreiben mich in der Regel als schüchtern. Woher kommt diese Schüchternheit?
Sie ist in meiner Höchstbegabung begründet. Durch meine Intelligenz war ich anders als Gleichaltrige, versuchte aber, das zu verstecken und möglichst angepasst zu wirken. Die Folge war, dass ich jahrzehntelang ein Doppelleben führte. Da ich ein sehr guter Schüler war, glaubten die Lehrer, ich würde ständig nur lernen. In Wirklichkeit beschäftigte ich mich viel mit Computern und gab eine eigene elektronische Zeitschrift über Computerkunst heraus. Davon erzählte ich meinen Lehrern nichts, weil ich nicht wollte, dass sie sich in die Gestaltung der Zeitschrift einmischen oder mir deswegen schlechtere Noten geben. Umgekehrt gab ich auch in der Computerkunst-Szene sehr wenig über mich preis. Vielen Lesern war ich ein Mysterium.
Das änderte sich, als ich volljährig wurde. Da dachte ich mir, es wäre gut, dieses Versteckspiel aufzugeben und reinen Tisch zu machen. Also erstellte ich eine persönliche Homepage, die beide Aspekte meiner Persönlichkeit verband, die des guten Schülers und die des Computerfreaks. Dabei stieß ich überwiegend auf Ablehnung: Sowohl von Studienkollegen als auch von Szenegängern kamen fast nur negative Reaktionen. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass meine Selbstdarstellung bei meinen Professoren gut ankam. Deshalb zog ich mich wieder ein wenig zurück, aber zumindest bestand die Möglichkeit, sich im Internet über meine Person zu informieren.
Es zeigte sich, dass ich auch im Berufsleben die Strategie "Doppelleben" führen musste: Meine damalige Chefin wollte genau wissen, was ich in meiner Freizeit tat. Für sie war ich quasi ihr persönlicher Arbeitssklave. Als sie davon Wind bekam, dass ich bei der Europawahl für eine politische Partei kandidierte, war sie ganz böse und drohte mir mit dem Hinauswurf (der einige Monate danach tatsächlich erfolgte).
Österreich ist schlicht und ergreifend eine Art Diktatur. Freiheit genießen theoretisch nur die, die am Futtertrog sind bzw. an der Spitze der Hierarchie. Ich habe mir meine Freiheit genommen. Politisch engagiert habe ich mich, weil ich auch anderen Menschen diese Freiheit ermöglichen wollte.
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