Welche Schwierigkeiten ich im Leben meistern musste

Die Ablehnung durch den Vater

Mein Vater hatte genaue Vorstellungen, wie sein Sohn zu sein hatte. Er orientierte sich dabei sehr stark an sich selbst. Doch ich war anders. Das war meinem Vater gar nicht Recht, und so kam es dazu, dass er mich ablehnte und sich nur widerwillig mit mir beschäftigte. Gut habe ich noch in Erinnerung: "Der Bua ist deppert! Er reagiert nicht auf Argumente! Man muss ihn abrichten!" Das nur, weil ich ihm nicht gehorchen wollte. Als meine Mutter ihn darauf aufmerksam machte, dass ich ein sehr guter Schüler war, meinte er: "Vielleicht in der Volksschule, aber dann in der Mittelschule werden die Probleme anfangen." Tatsächlich hatte ich auch am Gymnasium nie ernsthafte Probleme.

Nachdem ich dann Matura mit 1,0 gemacht hatte, hielt er mich für so intelligent, dass er mir alles zutraute, und bestand folglich auf seinem ursprünglichen Plan, ich möchte doch Arzt werden. Da mir klar war, dass er sich sehr gekränkt hätte, wenn ich ihm nicht gefolgt hätte, schrieb ich mich dann für ein Medizinstudium ein, obwohl mir von Anfang an klar war, dass ich nie Arzt werden würde.

Das Doppelleben während der Gymnasialzeit

Wenn ich heute Berichte über Wunderkinder sehe, bin ich immer erstaunt darüber, welche Forderungen sie, die Kinder, und ihre Eltern an die Schule bzw. an die Lehrer stellen. Ich hingegen habe eine Sklavenmentalität gehabt: Nie habe ich die Qualität des Unterrichts in Frage gestellt, aber mich selbst habe ich stets gezwungen, Spitzenleistungen zu erbringen. Tatsächlich kamen die Lehrer nicht von selbst auf die Idee, dass meine Leistungen möglicherweise mit einer besonderen Begabung zusammenhängen könnten. Vielmehr relativierten sie meine Leistungen und meinten, ich würde eben ständig nur lernen, da sei es kein Wunder, wenn ich Erfolge hätte. Erst mit 13 stellte ich dann in der Mathe-Olympiade meine Begabung unter Beweis, und sie konnte fortan nicht geleugnet werden - spielte aber auch keine Rolle. Entscheidender für meinen Erfolg in der Schule war, dass ich nie öffentlich bekannt gab, was ich wirklich in meiner Freizeit tat, dass ich nämlich seit meinem 13. Lebensjahr Herausgeber einer eigenen Zeitschrift war und sicherlich 20 Stunden die Woche in die Arbeit an dieser Zeitschrift investierte. Ich wollte nicht, dass die Lehrer davon Wind bekommen, weil ich mir ihre Reaktionen nur allzu gut vorstellen konnte: Sie würden wahrscheinlich auf die Gestaltung der Zeitschrift Einfluss nehmen wollen, zudem würde ich schlechtere Noten riskieren. Tatsächlich stieß einmal mein Geografielehrer auf eine Online-Ausgabe von Hugi und vergewisserte sich: "Schreibst du dort eh nichts über die Schule?" Darauf kam es ihm an - dass die Welt von seinen Untaten nichts in Erfahrung brächte. Dass meine Zeitschrift eigentlich eine enorme Leistung neben den schulischen Pflichten darstellte, kam ihm nicht in den Sinn. Und so wurde diese Leistung auch nicht gewürdigt. Man hielt ja bereits meine schulischen Leistungen für "Spitze", und viele Lehrer glaubten wohl bis zum Schluss, ich würde immer nur lernen. Dadurch, dass ich dieses Doppelleben verheimlichte, scheiterte ich daran, mich sozial zu adjustieren: Ich erlangte nie Gewissheit darüber, wie andere Menschen wirklich über das, was ich tat, dachten. Das stellte dann im Medizinstudium einen gewissen Unsicherheitsfaktor dar.

Diskriminierung im Medizinstudium

Tatsächlich habe ich an der Medizinischen Fakultät eine handfeste Diskriminierungserfahrung gemacht. An der Hochschülerschaft wurde ich abgelehnt, weil ich nicht katholisch, sondern konfessionslos bin. Es blieb nicht nur bei der Bemerkung, dass ich aufgrund dieser Tatsache nicht zu dieser Hochschülerschaftsfraktion passe, sondern meine Mitgliedschaft wurde erst bei der zweiten Abstimmung angenommen. Und erst nach einem Wechsel an der Spitze der Fraktion erhielt ich ein hochschulpolitisches Amt.

Auch heute noch plagt es mich, dass ich mir nie ganz sicher bin, was ich von mir preisgeben kann, ohne Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. 

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