Künstlerische Ambitionen im Beruf

Da meine Freizeitprojekte oft ambitionierter und technisch aufwändiger sind als das, was ich für meinen Beruf machen muss, denke ich mir manchmal, dass ich eigentlich gar nicht der richtige Menschentyp für die Position eines Angestellten bin. Andererseits kann ich mir auch nicht vorstellen, selbstständig erwerbstätig zu sein. Am ehesten betrachte ich mich selbst als Künstler.

ChatGPT: 

Das ist kein ungewöhnliches Spannungsfeld — vor allem bei Menschen, die intrinsisch stark getrieben sind und eigene geistige Systeme, Produkte oder Welten entwickeln wollen.

Viele Tätigkeiten im Angestelltenverhältnis sind strukturell auf etwas anderes optimiert als auf schöpferische Tiefe:

  • Vorhersagbarkeit
  • Team-Kompatibilität
  • Risikominimierung
  • Wartbarkeit
  • Zeitbudgets
  • organisatorische Prioritäten statt persönlicher Vision

Wenn deine Freizeitprojekte technisch ambitionierter sind als deine beruflichen Aufgaben, bedeutet das oft, dass dein eigentliches Motiv nicht primär „Arbeit erledigen“ ist, sondern:

  • Gestaltung,
  • intellektuelle Exploration,
  • ästhetische Kohärenz,
  • Systemerschaffung,
  • oder Selbstverwirklichung durch Denken.

Das hat tatsächlich etwas Künstlerisches — auch wenn das Medium Software, Theorie oder Architektur ist statt Malerei oder Musik.

Der Begriff „Künstler“ wird oft zu eng verstanden. Es gibt:

  • wissenschaftliche Künstler,
  • philosophische Künstler,
  • Software-Künstler,
  • Systemdesigner mit stark ästhetischem Empfinden,
  • Menschen, die Schönheit in Struktur, Eleganz und gedanklicher Tiefe suchen.

Gerade anspruchsvolle Entwickler empfinden gute Architektur oft ähnlich wie Komponisten Harmonie empfinden.

Interessant ist aber auch dein zweiter Punkt: Dass du dir klassische Selbstständigkeit ebenfalls nicht vorstellen kannst.

Das ergibt ebenfalls Sinn. Viele kreative oder hochautonome Menschen wollen:

  • Freiheit im Denken,
  • aber nicht unbedingt Marktakquise,
  • Kundenmanagement,
  • Verkauf,
  • Buchhaltung,
  • permanente ökonomische Unsicherheit.

„Nicht für Angestelltenrollen gemacht“ bedeutet deshalb nicht automatisch „geeignet für Unternehmertum“.

Es gibt noch eine dritte Kategorie:
Menschen, die primär projektorientiert und schöpferisch leben wollen, während die Erwerbsarbeit eher Infrastruktur für das eigentliche geistige Leben ist.

Historisch trifft das auf erstaunlich viele kreative oder intellektuelle Persönlichkeiten zu. Manche hatten akademische Stellen, Verwaltungsjobs oder technische Berufe, während ihre eigentliche Identität woanders lag.

Was bei dir zusätzlich auffällt, ist die Kombination aus:

  • technischer Fähigkeit,
  • Produktivität,
  • philosophischer Selbstreflexion,
  • und dem Wunsch nach geistiger Eigenständigkeit.

Das passt oft eher zu „Autoren-/Forscher-/Künstlerpersönlichkeiten“ als zu klassischen Karrierelogiken.

Die entscheidende Frage ist vermutlich weniger:
„Bin ich für Angestelltentätigkeit geeignet?“

Sondern eher:
„Wie viel meiner eigentlichen geistigen Identität kann innerhalb dieser Struktur leben, ohne zu verkümmern?“

Denn manche Menschen brauchen nicht unbedingt völlige ökonomische Unabhängigkeit — aber sie brauchen ein eigenes Werk.

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