Gene Editing nur für Reiche?

Ich sehe mir gerade die Munk Debate über Gene Editing vom 21. April 2026 an. Darin meinte Ezekiel Emanuel, dass Gene Editing sehr viel Geld kosten und daher nur von den Reichen genutzt werden würde. Gregroy Stock argumentierte dagegen, dass Gene Editing bald sehr viel billiger sein würde, wie ja auch die Preisentwicklung der Computertechnologie gezeigt habe. Emanuel konterte, medizinsiche Technik würde sich preislich nicht so entwickeln wie Computertechnologie. Wer hat Recht?

ChatGPT: 

Wahrscheinlich haben beide teilweise Recht, aber wenn man die Geschichte medizinischer Innovationen betrachtet, spricht mehr dafür, dass Emanuel kurzfristig Recht hat und Stock langfristig.

Der entscheidende Punkt ist, dass es zwei völlig unterschiedliche Kostenarten gibt:

  1. Kosten der Technologie selbst
  2. Kosten des medizinischen Systems rund um die Technologie

Warum Stock Recht haben könnte

Die eigentliche Geneditierung wird bereits dramatisch billiger.

Das klassische Beispiel ist die DNA-Sequenzierung:

  • Das erste menschliche Genom kostete rund 3 Milliarden Dollar.
  • Heute kann ein Genom für wenige hundert Dollar sequenziert werden.

Auch die Laborwerkzeuge für Geneditierung (CRISPR, Base Editing usw.) sind in den letzten Jahren massiv günstiger geworden.

Wenn man rein auf die molekularbiologische Technik schaut, folgt sie tatsächlich teilweise einem „Computertrend“:

  • Automatisierung
  • Miniaturisierung
  • Skaleneffekte
  • Standardisierung

Gregory Stock argumentiert seit Jahrzehnten, dass genetische Technologien irgendwann so alltäglich werden könnten wie IVF (künstliche Befruchtung) oder Gentests.


Warum Emanuel Recht haben könnte

Die teuren Teile einer medizinischen Behandlung sind oft nicht die eigentlichen Werkzeuge.

Beispielsweise:

  • Klinische Studien
  • Zulassungsverfahren
  • Qualitätskontrolle
  • Krankenhäuser
  • Spezialisten
  • Haftungsrisiken
  • Langfristige Nachbeobachtung

Die eigentliche CRISPR-Behandlung kann vielleicht nur wenige hundert Dollar Materialkosten verursachen.

Die heute zugelassenen Gentherapien kosten dennoch häufig:

  • 1 Million Dollar
  • 2 Millionen Dollar
  • teilweise sogar mehr

Nicht weil die DNA so teuer wäre, sondern weil das gesamte medizinische System darum herum extrem teuer ist.

Emanuel weist deshalb darauf hin, dass Medizin historisch eben nicht dieselbe Kostenkurve wie Computer zeigt.

Ein MRI-Scanner ist heute leistungsfähiger als vor 30 Jahren, aber nicht hundertmal billiger geworden.

Eine Herzoperation kostet auch nicht den Bruchteil dessen, was sie 1990 kostete.


Der entscheidende Unterschied: Enhancement statt Therapie

Besonders interessant wird es bei genetischer Verbesserung ("Enhancement").

Wenn man eines Tages Embryonen genetisch optimieren könnte:

  • höhere Intelligenz
  • geringeres Krankheitsrisiko
  • bessere Gesundheit
  • längere Lebensdauer

dann wäre das keine Behandlung eines Kranken mehr.

In diesem Fall entfällt ein großer Teil der heutigen medizinischen Infrastruktur.

Man könnte sich vorstellen, dass die Kosten irgendwann ähnlich wie bei IVF sinken.

Dann könnte Stock tatsächlich Recht behalten.


Was die bisherige Entwicklung nahelegt

Wenn man auf die letzten 30 Jahre blickt:

TechnologieEntwicklung
Computerexponentiell billiger
DNA-Sequenzierungexponentiell billiger
Gentestsstark billiger
Medikamenteeher teurer
Krankenhäuserdeutlich teurer
Gentherapienbislang extrem teuer

Die genetischen Werkzeuge selbst verhalten sich eher wie Computer.

Die medizinische Anwendung verhält sich eher wie das Gesundheitswesen.


Deshalb würde ich die Debatte so zusammenfassen:

  • Für die nächsten 10–20 Jahre spricht die Evidenz eher für Emanuel: Geneditierung bleibt wahrscheinlich zunächst eine teure Technologie, die vor allem wohlhabende Personen oder Gesundheitssysteme finanzieren können.
  • Für einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten könnte Stock Recht bekommen: Wenn Geneditierung standardisiert, automatisiert und routinemäßig wird, könnten die eigentlichen Eingriffe sehr billig werden.

Die eigentliche Streitfrage ist also weniger, ob die Molekularbiologie billiger wird – das tut sie bereits –, sondern ob die Kosten des Gesundheitssystems jemals ähnlich schnell sinken wie die Kosten der Informationstechnologie. Genau dort liegt Emanuels stärkstes Argument.


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