Die Welt, in der ich lebe (2026)
Ich wurde 1983 in Wien geboren. Meine Eltern wollten ursprünglich, dass ich Arzt werde. Deshalb habe ich ein neusprachliches Gymnasium mit sechs Jahren Latein besucht. In meiner Jugend habe ich mich aber kaum für Medizin interessiert, sondern hauptsächlich für Informatik. Schon im Alter von acht Jahren habe ich meine ersten Computerprogramme geschrieben. In den Medien hieß es zudem, die IT-Branche sei die einzige Wachstumsbranche in Österreich. Daher gab ich meinen Eltern ein Jahr vor der Matura bekannt, dass ich Informatik studieren möchte. Ich ließ mich allerdings von Berichten abschrecken, wonach in der IT-Branche nur wirklich gute Leute gesucht würden - ich war mir nicht sicher, ob ich das bin. Deswegen ließ ich mich dann von meinem Vater überreden, doch ein Medizinstudium anzufangen. Im letzten Schuljahr hatte ich auch einige Bücher über Biotechnologie und Genetik gelesen - zumindest das hatte ich interessant gefunden.
Nach drei Jahren merkte ich bei den Praktika im Krankenhaus, dass mir die handwerklichen Routinetätigkeiten wie das Blutabnehmen schwerfielen. Da in Österreich das Blutabnehmen die wichtigste Tätigkeit eines Turnusarztes ist, sah ich meine Chancen gering, als Arzt Fuß zu fassen. Deswegen inskribierte ich nun auch Medizinische Informatik und nach dem Abschluss des Bachelorstudiums das Masterstudium Computational Intelligence, Letzteres deswegen, weil es mir die Möglichkeit bot, mich auf die Teilbereiche der Informatik zu spezialisieren, die mich am meisten interessierten: Algorithmen, formale Logik und Theoretische Informatik.
Im Alter von 29 Jahren schloss ich meine Studien ab. Bald danach ging ich als Software-Entwickler in die IT-Industrie. In den Medien wurde nun viel über Künstliche Intelligenz berichtet und gemutmasst, dass in naher Zukunft keine Software-Entwickler mehr gebraucht würden, weil die Programme von der KI selbst entwickelt würden. Zumindest meine aktuellen Arbeitgeber sehen das aber anders, deswegen mache ich mir vorerst keine Sorgen.
Ich verfolge auch die aktuellen Entwicklungen in der Medizin. Ein starker Trend ist der zur Präzisionsmedizin. Dabei sollen die Medikamente nach statistischen Korrelationen mit dem individuellen Genom des Patienten ausgewählt werden. Mein Freund und Mentor Dr. Uwe Rohr war dieser Entwicklung gegenüber kritisch eingestellt, weil er der Meinung war, dass Medikamente "Blockbuster" sein und universell wirken sollten. Außerdem liest man in den Medien immer wieder über Langlebigkeitsmedizin (Longevity). Mein Eindruck ist aber, dass auf diesem Gebiet bis jetzt nur wenig entdeckt worden ist. Im Wesentlichen gilt immer noch, dass eine gesunde Lebensführung das effektivste Mittel für ein langes Leben sei.
Als philosophisches Fundament für die medizinische Forschung wird heutzutage häufig der Transhumanismus zitiert. Ich kam mit dieser philosophischen Richtung zum ersten Mal zu Beginn meines Medizinstudiums in Kontakt. Allerdings habe ich in meiner Studienzeit die Erfahrung gemacht, dass zumindest in Österreich der Einfluss religiöser Organisationen in dieser Beziehung noch immer sehr stark und einige Aspekte des Transhumanismus, wie etwa Eingriffe in das menschliche Erbgut, deswegen Utopien sind.
Ein großes Problem in der medizinischen Praxis sind die Antibiotikaresistenzen. Ich habe 2018 eine Idee entwickelt, wie dieses Problem gelöst werden könnte (Symbiont Conversion), und darüber einen Aufsatz geschrieben, den ich zuerst im Internet veröffentlicht habe. Sieben Jahre später ist es mir dann gelungen, ein wissenschaftliches Journal zu finden, das bereit war, ihn abzudrucken. Meiner Einschätzung nach wird mein Beitrag von der Fachwelt noch kaum wahrgenommen. Es könnte sein, dass die von mir vorgeschlagenen Methoden noch zu kostspielig sind, um in der Praxis eingesetzt werden zu können. Aber das könnte sich ändern.
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