Demokratie - Utopie und Realität
Seit gestern schmökere ich in Francis Fukuyamas neuestem Werk "Der letzte Mensch". Dabei hat es mir zu denken gegeben, dass er bereits in der Einleitung davon schreibt, dass die Demokratie im Rückbau befindlich sei und Politiker wie Trump versuchen, autoritäre Systeme zu installieren. Meiner Meinung nach ist Demokratie eine Utopie; in der Realität haben wir nie in Demokratien gelebt. Vielleicht haben angepasste Menschen wie Fukuyama den Eindruck, dass sie früher in einer Demokratie gelebt haben, oder sie sind derart gehirngewaschen, dass sie gar nicht erkennen, was an der Realität tatsächlich undemokratisch ist.
Ich möchte gleich sagen, dass ich unter dem Begriff der Demokratie eine liberale Demokratie verstehe. Also nicht eine Diktatur der Mehrheit oder eine reine Wahldemokratie, sondern ein politisches System, in dem jeder Einzelne tun und lassen kann, was er will, solange er die Rechte anderer Bürger respektiert. Dazu gehört auch die Meinungsfreiheit und die Möglichkeit, seine eigene Meinung frei zu äußern.
Ich habe in Österreich die Schule besucht und studiert. Nie habe ich mich wirklich frei gefühlt. Die Schule war eindeutig ein autoritärer Ort; wir mussten den Vorstellungen der Lehrer entsprechen. Wenn man seine Meinung äußerte, musste man darauf achten, dass sie sich in einem bestimmten Rahmen des Zulässigen bewegte.
Auch die Medizin-Universität erlebte ich als Diktatur. Vor allem herrschte bei den Prüfungen große Willkür - die Professoren konnten die Studierenden im Prinzip alles fragen, was sie wollten. Deshalb musste man als Student trachten, ja nicht anzuecken oder negativ aufzufallen, denn die Professoren sprachen auch miteinander, und wenn man sich einen von ihnen zum Feind gemacht hatte, musste man damit rechnen, dass sich seine Kollegen ihm anschließen würden.
Ganz klar diktatorisch ging es dann in der Turnusausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin zu. Hier beurteilte mich mein Primarius negativ, weil ich ihm unsympathisch war, und er erreichte, dass zwei weitere Primarärztinnen mir ebenfalls eine negative Note gaben, so dass ich gezwungen war, den Turnus abzubrechen. Also, wo ist da die Demokratie?
Bei meinem ersten Job als Software-Entwickler betrachtete mich meine Chefin als ihren persönlichen Arbeitssklaven und wollte sogar über meine Freizeit bestimmen. Im letzten halben Jahr meiner Anstellung musste ich mit ihr Qi-Gong-Übungen besuchen und auf ihren Wunsch hin sogar einen Psychotherapeuten aufsuchen. Dass ich damals auch politisch tätig war und für das europäische Parlament kandidierte, stieß ihr überhaupt sauer auf, als sie davon Wind bekam. Zuerst wollte sie mich sofort kündigen, erst mit der Zeit beruhigte sie sich.
Also, wo ist da die Demokratie? Man vergesse auch nicht, dass man es sich als jemand, der vorhat, in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten, nicht leisten kann, seine Meinung im Internt zu publizieren, denn es könnte einem passieren, dass man aufgrund einer bestimmten Meinungsäußerung keine Anstellung bekommt.
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