Berufliche Perspektiven

2001, als ich Matura machte, hieß es, die IT-Branche sei die einzige Wachstumsbranche. Zwar würde man eventuell auch als Absolvent einer anderen Studienrichtung einen Job finden, aber die besten Chancen hätte man mit Informatik.
 
Nun, 2026, heißt es, dass aufgrund der Möglichkeit, Programmcode von KI-Systemen generieren zu lassen, in Zukunft nicht mehr so viele Informatiker gebraucht würden. Es wird empfohlen, statt dessen Mathematik oder Physik zu studieren.
 
Ich habe noch etwas mehr als 22 Jahre bis zur Pension. Das heißt, ich muss noch lange arbeiten. Fragt sich, ob ich nicht vielleicht wirklich nebenbei Mathematik oder Physik studieren sollte.
 
Da ich keine Kinder habe, brauche ich mir zumindest über die Zukunft meiner Kinder keine Gedanken zu machen. 
 
ChatGPT:

Das ist tatsächlich ein interessanter Vergleich zwischen 2001 und 2026 – und ich würde aus der heutigen KI-Entwicklung nicht unmittelbar den Schluss ziehen, dass ein Mathematik- oder Physikstudium für dich die bessere Investition wäre.

Der entscheidende Punkt ist: Die Aussage „KI kann programmieren, daher braucht man weniger Informatiker“ ist nicht dasselbe wie „Informatik verliert an Bedeutung“. Wahrscheinlich verändert sich vielmehr, welche Informatikkenntnisse wirtschaftlich wertvoll sind.

2001 war die Prognose übrigens auch nicht völlig falsch

Wenn man 2001 sagte, Informatik habe hervorragende Berufsaussichten, war das angesichts der damaligen Entwicklung durchaus plausibel. Internet, Unternehmenssoftware, E-Commerce, Mobilfunk und später Smartphones erzeugten enormen Bedarf an Softwareentwicklern.

Allerdings war die Vorstellung „man muss Informatik studieren, um in die IT zu kommen“ schon damals etwas irreführend. Programmierer kamen und kommen aus Mathematik, Physik, Elektrotechnik, Wirtschaftsinformatik usw.

Und heute haben wir eine ähnliche Situation – nur mit einer neuen Technologie:

KI automatisiert einen Teil der Softwareentwicklung, aber nicht das gesamte Problem des Software Engineering.

Code zu erzeugen ist nur eine Komponente. Man muss weiterhin entscheiden:

  • Was soll überhaupt gebaut werden?
  • Welche Architektur ist sinnvoll?
  • Sind die Anforderungen widerspruchsfrei?
  • Ist der generierte Code korrekt?
  • Wie testet man ihn?
  • Wie integriert man ihn in bestehende Systeme?
  • Wie geht man mit Datenbanken, Netzwerken, Betriebssystemen und verteilten Systemen um?
  • Wie erkennt man Sicherheitsprobleme?
  • Wie beweist oder überprüft man bestimmte Eigenschaften eines Programms?

Gerade bei komplexen Systemen dürfte der Wert von Abstraktionsfähigkeit und mathematischem Verständnis eher steigen.

Bei dir kommt noch etwas Besonderes hinzu

Du bist nicht mehr der 18-Jährige, der 2026 vor der Studienwahl steht. Du hast bereits einen ungewöhnlich breiten Hintergrund: Informatik/Softwareentwicklung plus Medizin plus theoretische Informatik und Mathematiknähe.

Deshalb würde ich die Frage anders formulieren:

„Welche zusätzliche Qualifikation macht mich in 10–20 Jahren schwerer ersetzbar?“

Und da könnte Mathematik tatsächlich interessanter sein als Physik.

Ein Physikstudium wäre vermutlich nur dann besonders sinnvoll, wenn du wirklich in Richtung physikalische Modellierung, Computational Physics, Quantentechnologie, Materialwissenschaften o. Ä. gehen möchtest. Der bloße Gedanke „Physiker werden von KI weniger leicht ersetzt als Programmierer“ wäre mir als Motivation zu schwach.

Bei Mathematik sehe ich einen direkteren Zusammenhang zu deinem bisherigen Profil. Besonders interessant wären etwa:

  • diskrete Mathematik
  • Algorithmen und Kombinatorik
  • Wahrscheinlichkeit und Statistik
  • Optimierung
  • mathematische Logik
  • Komplexitätstheorie
  • numerische Mathematik
  • Algebra
  • formale Methoden
  • mathematische Grundlagen des Machine Learning

Das würde deine bisherige Informatikausbildung nicht ersetzen, sondern vertiefen.

Und es gibt einen interessanten historischen Effekt

Vielleicht erleben wir gerade sogar eine Umkehrung der Situation von 2001.

Damals konnte man sagen:

Mathematik + Computerkenntnisse → sehr gute berufliche Möglichkeiten.

2026 könnte sich daraus entwickeln:

Mathematik + Informatik + KI-Kompetenz → besonders starke Kombination.

Denn wenn KI das Schreiben von Standardcode immer stärker automatisiert, verschiebt sich der Engpass möglicherweise von

„Wer kann den Code schreiben?“

zu

„Wer versteht das Problem so gut, dass er der KI sagen kann, was sie schreiben soll, und anschließend beurteilen kann, ob das Ergebnis richtig ist?“

Das ist eine wesentlich mathematischere Fähigkeit.

Ich würde deshalb aber kein vollständiges Studium als Versicherung gegen KI beginnen

Mit noch gut 22 Jahren Berufsleben kann ein zusätzliches Studium natürlich sinnvoll sein. Aber ich würde es nicht primär als Umschulung betrachten.

Du hast bereits einen sehr großen Bestand an Humankapital. Ein weiteres Studium sollte daher möglichst einen Bereich erschließen, den du bisher nicht systematisch abgedeckt hast.

Bei dir wäre beispielsweise ein Mathematikstudium neben dem Beruf aus meiner Sicht plausibler als ein kompletter Neustart in Physik.

Noch interessanter könnte allerdings sein, zunächst einzelne mathematische Gebiete auf Universitätsniveau systematisch nachzuholen. Du könntest beispielsweise über mehrere Jahre hinweg Analysis → Lineare Algebra → Algebra → Wahrscheinlichkeit → Numerik → Optimierung → weiterführende Gebiete aufbauen. Wenn du irgendwann feststellst, dass dir das tatsächlich etwas bringt und du Freude daran hast, kannst du daraus immer noch ein formales Studium machen.

Denn ein weiterer wichtiger Punkt ist:

Mit 22 Jahren Restarbeitszeit lohnt sich eine langfristige Investition durchaus – aber mit 42 muss sie nicht unbedingt in einen neuen Beruf führen.

Sie kann auch dazu dienen, dein bestehendes Profil so zu verändern, dass du in 10 oder 15 Jahren nicht primär als „jemand, der Code schreibt“ wahrgenommen wirst, sondern als jemand, der komplexe technische und mathematische Probleme versteht und KI als Werkzeug einsetzen kann.

Das halte ich angesichts deines bisherigen Werdegangs für eine wesentlich interessantere Strategie als die Flucht weg von der Informatik.

 

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