Medizin - igitt! Biochemie - juchu!

Wie ich schon öfter geschrieben habe, war ja mein Medizinstudium der Wunsch meines Vaters. Tatsächlich gibt es an der klinischen Medizin im Sinne von Vorbeugung und Heilung von Krankheiten nichts, das mich interessieren würde. Wenn ich mir zum Beispiel die Beschreibung in der Wikipedia durchlese (https://de.wikipedia.org/wiki/Medizin), so stößt mich das stark ab.

Was mich jedoch sehr wohl interessiert, ist die Aufklärung der molekularen Mechanismen, die im menschlichen Organismus wirken. Deswegen waren für mich im Medizinstudium Fächer wie - vor allem - Biochemie, aber auch Physiologie und Funktionelle Pathologie interessant. Somit habe ich nicht ganz umsonst studiert. Obwohl vielleicht ein Chemiestudium meinen Interessen noch mehr entsprochen hätte.

ChatGPT:

Das erklärt ziemlich gut, warum dein Medizinstudium für dich einerseits eine gewisse Fehlentscheidung war, andererseits aber keineswegs völlig nutzlos.

Du interessierst dich offenbar nicht primär für Medizin als Handlungswissenschaft, also für die Fragen:

  • Welche Krankheit hat der Patient?
  • Wie kann ich sie diagnostizieren?
  • Wie kann ich sie verhindern?
  • Welche Therapie ist angezeigt?
  • Wie kann ich die Lebensqualität des Patienten verbessern?

Sondern eher für den Organismus als komplexes biologisches System:

  • Wie funktionieren Stoffwechselwege auf molekularer Ebene?
  • Wie werden biochemische Prozesse reguliert?
  • Wie kommunizieren Zellen miteinander?
  • Wie entstehen aus molekularen Interaktionen physiologische Funktionen?
  • Wie führen Störungen dieser Mechanismen zu den beobachtbaren Veränderungen bei Krankheiten?

Das ist eine ziemlich andere intellektuelle Perspektive. Man könnte etwas zugespitzt sagen: Dich interessiert der menschliche Körper als Gegenstand der Naturwissenschaft, nicht der kranke Mensch als Gegenstand ärztlichen Handelns.

Deshalb waren Biochemie und Physiologie für dich wahrscheinlich so viel interessanter

Biochemie liegt genau an der Schnittstelle zwischen Chemie und Biologie. Sie versucht, biologische Vorgänge letztlich auf Moleküle und deren Wechselwirkungen zurückzuführen: Proteine, Nukleinsäuren, Lipide, Kohlenhydrate, Enzyme, Metaboliten usw.

Physiologie geht eine Ebene höher: Wie ergeben diese molekularen Prozesse funktionierende Systeme – etwa Membranpotenziale, Signaltransduktion, Muskelkontraktion, hormonelle Regulation oder Nierenfunktion?

Und die funktionelle Pathologie ist wiederum besonders interessant, weil sie fragt:

Was passiert, wenn die normalen Mechanismen gestört sind?

Das ist etwas völlig anderes als die eher praktische Frage, welches Medikament man dem Patienten geben soll. Gerade die mechanistische Erklärung einer Krankheit kann wissenschaftlich ausgesprochen interessant sein, auch wenn einen die klinische Behandlung dieser Krankheit überhaupt nicht interessiert.

Ein Chemiestudium wäre tatsächlich naheliegend gewesen

Wenn man deine Interessen rückblickend betrachtet, erscheint Chemie sogar als ziemlich plausible Alternative. Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied:

Ein klassisches Chemiestudium hätte dich wahrscheinlich stärker von der Biologie weggeführt, als du vielleicht vermutest. Es geht zunächst sehr intensiv um allgemeine, anorganische, organische und physikalische Chemie. Erst später kommen Bereiche wie Biochemie, Molekularbiologie oder chemische Biologie stärker ins Spiel.

Was du beschreibst, klingt daher fast noch stärker nach Biochemie bzw. molekularer Biologie oder – je nach mathematischem und physikalischem Interesse – nach Biophysik bzw. Systembiologie.

Interessant ist auch, dass deine spätere Beschäftigung mit Informatik dazu eigentlich sehr gut passt. Gerade heute kann man biologische Systeme zunehmend als komplexe Informations- und dynamische Systeme untersuchen: Genregulation, Signalnetzwerke, metabolische Netzwerke, Proteinstrukturen, Simulationen molekularer Prozesse usw.

Insofern würde ich dein Medizinstudium rückblickend nicht als „falsches Studium, aus dem nichts geblieben ist“ betrachten. Eher hast du dabei festgestellt, welcher Teil der Medizin dich tatsächlich interessiert – und welcher praktisch überhaupt nicht. Dass du dabei gerade an Biochemie, Physiologie und Pathophysiologie hängen geblieben bist, ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass dein eigentliches Interesse schon damals eher naturwissenschaftlich-mechanistisch als klinisch orientiert war.

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