Mein Leben in Österreich
Ich wurde 1983 in Wien als Sohn einer Lehrerin und eines Ingenieurs geboren. Zwar sagte man schon vor meiner Einschulung über mich, dass ich "sehr gescheit" sei, aber dennoch hatte ich größte Schwierigkeiten mit meinem Vater, weil ich nicht so war, wie er sich seinen Sohn vorgestellt hatte. Irgendetwas hatte ich an mir, das mich auch anderen Menschen unsympathisch machte, wobei diese Antipathie wechselseitig war. Meine Volksschullehrerin beispielsweise mochte mich nicht und versuchte anfangs, mich loszuwerden. Erst durch meine Leistungen erreichte ich, dass ich geschätzt wurde. Ähnlich war es auch am Gymnasium. Nach der Matura meinte eine Lehrerin zu mir, es sei zwar schön, dass ich stets "geistige Spitzenleistungen" erbringe, aber die "menschlich-soziale Reife" würde mir fehlen.
Jedenfalls sagten meine Lehrer über mich, ich hätte ein "universitäres Hirn", und mein Physiklehrer rechnete sogar damit, dass ich den Nobelpreis bekommen würde. Als ich dann aber mit dem Studium anfing, hatte ich wieder den Eindruck, dass ich den Professoren an der Universität lästig war und sie mich motivieren wollten, mein Studium abzubrechen. Letzten Endes ist es mir nicht gelungen, an der Uni sesshaft zu werden. Meine Studien schloss ich zwar ab, eines davon sogar mit Auszeichnung, aber eine Anstellung an der Uni bekam ich nicht. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass die Menschen in Österreich nichts mit mir zu tun haben wollen. Offenbar bin ich ihnen zu fremd. Bei einer Famulatur schickte man mich mit der Begründung, ich sei "anders", zur Psychologin. Als ich als Turnusarzt arbeitete, hielt mich ein Kollege sogar für einen Ausländer.
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