Was IST Hochbegabung?
Worin besteht der Unterschied zwischen Normal- und Hochbegabten wirklich?
Zunächst sei gesagt, dass ich mir nicht sicher bin, ob mit Intelligenztests wie dem von Mensa verwendeten Hochbegabung wirklich diagnostiziert werden kann, weil diese Tests meiner Meinung nach zu leicht sind und es bei ihnen mehr auf die Bearbeitungsgeschwindigkeit ankommt. Die Psychologen definieren Hochbegabung als ein Intelligenzniveau mindestens zwei Standardabweichungen über dem Durchschnitt. Meiner Meinung nach ist das nicht richtig; echte Hochbegabung liegt bei einem deutlich geringeren Prozentsatz der Bevölkerung vor.
Der Unterschied zwischen Normal- und in diesem Sinn Hochbegabten liegt vor allem darin, dass Normalbegabte vieles lernen müssen, was Hochbegabten sonnenklar ist. Zum Beispiel müssen Normalbegabte in der Schule verschiedene Lösungsalgorithmen lernen, um bestimmte Arten von Mathematikaufgaben bewältigen zu können. Hochbegabte müssen das nicht, weil sie durch Nachdenken auf die Lösung kommen.
In der Schule und auch in den meisten Studienrichtungen kommt es eher auf ein gutes Gedächtnis an als auf Intelligenz.
ChatGPT:
Wenn das Bildungssystem hauptsächlich fragt:
„Kannst du das Gelernte reproduzieren?“
dann kann ein außergewöhnlich intelligenter Mensch durchaus neben jemandem stehen, der ein sehr gutes Gedächtnis besitzt und sehr fleißig ist.
Erst bei einer Aufgabe wie
„Hier ist ein Problem, das du noch nie gesehen hast. Entwickle selbst einen Lösungsweg.“
wird der Unterschied wesentlich sichtbarer.
Das ist auch einer der Gründe, warum wissenschaftliche Forschung, Mathematik, theoretische Informatik, Programmierung oder das Entwickeln neuer Spielekonzepte andere kognitive Anforderungen stellen als das erfolgreiche Absolvieren eines vorgegebenen Curriculums.
Ich:
Könnte es in diesem Zusammenhang sein, dass die Mitarbeiterauswahl an Hochschulen nach falschen Kriterien erfolgt (und deshalb zum Beispiel laut Statistiken Österreich in der Forschung unterdurchschnittlich ist - und nicht wegen des Schulsystems, wie Prof. Hengstschläger damals in seiner ersten Reaktion formulierte)?
ChatGPT:
Die Auswahlkriterien sind möglicherweise nicht falsch, sondern bevorzugen einen anderen Typ wissenschaftlicher Begabung als denjenigen, der für besonders große Durchbrüche optimal wäre.
Wenn deine Beschreibung zutrifft, dass außergewöhnliche Intelligenz sich vor allem darin zeigt, dass jemand nicht das lernen muss, was andere als Verfahren lernen müssen, sondern aus Prinzipien selbständig neue Lösungen ableitet, dann wäre für Forschung eine Fähigkeit besonders relevant, die durch akademische Laufbahnen nur indirekt erfasst wird:
Probleme selbst erzeugen und nicht nur gegebene Probleme lösen.
Wenn in jeder Stufe überwiegend diejenigen erfolgreich sind, die sehr gut darin sind, vorgegebene Anforderungen zu erfüllen, kann am Ende ein System entstehen, das zwar sehr viele hochqualifizierte Wissenschaftler hervorbringt, aber außergewöhnliche unabhängige Denker nicht optimal selektiert.
Das wäre eine deutlich interessantere Hypothese als:
„Österreichische Schüler sind nicht kreativ genug.“
Denn dieselben Menschen könnten in einem anderen institutionellen Umfeld durchaus sehr kreativ forschen.
Vielleicht ist das Problem nicht, dass Österreich zu wenig hochqualifizierte Menschen ausbildet, sondern dass das System Schwierigkeiten hat, die wenigen Menschen zu erkennen, deren kognitive Fähigkeiten weit über das für akademischen Erfolg notwendige Niveau hinausgehen.
Ich:
Mein inzwischen verstorbener Freund und Mentor Dr. Uwe Rohr meinte sogar, dass an den Universitäten wirklich Hochbegabte, die revolutionäre Ideen haben, gar nicht als Mitarbeiter gewollt seien. Denn man wolle nur Leute, die in bestehenden Systemen gut funktionieren und sie nicht hinterfragen oder gar in Frage stellen.
ChatGPT:
Ja, als institutionelle Hypothese ist das sehr interessant. Ich würde Uwe Rohrs Aussage allerdings etwas differenzieren: Es ist etwas anderes zu behaupten, dass Universitäten bewusst keine revolutionären Denker wollen, als dass ihre Auswahl- und Anreizstrukturen tendenziell Menschen begünstigen, die innerhalb bestehender wissenschaftlicher Systeme erfolgreich funktionieren.
Gerade letzteres ist durchaus plausibel.
Eine Fähigkeit, die sich erst darin zeigt, dass jemand ein bestehendes Forschungsparadigma verlässt, ist anhand vergangener Leistungen innerhalb dieses Paradigmas schwer zu erkennen.
Außerdem: Je radikaler eine Idee von der bestehenden Wissenschaft abweicht, desto weniger kann man ihre Qualität mit den bestehenden Bewertungskriterien beurteilen.
Je stärker eine Institution ihre Mitglieder danach auswählt, wie gut sie innerhalb bestehender Paradigmen funktionieren, desto größer könnte die Wahrscheinlichkeit sein, dass sie gerade diejenigen extrem eigenständigen Denker übersieht, deren Stärke in der Überwindung dieser Paradigmen liegt.
Das wäre meines Erachtens die wissenschaftlich wesentlich interessantere Version dessen, was dein Mentor gesagt hat. Sie behauptet nicht, dass Universitäten „Genies nicht wollen“, sondern fragt, ob institutionelle Selektionsmechanismen systematisch schlecht darin sind, bestimmte Formen außergewöhnlicher Begabung zu erkennen.
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